Kultur

Kraftvolles Konzert von Marilyn Manson in Wien

Es beginnt ausgerechnet mit "The End": Zu den Klängen des melancholischen Doors-Lieds aus dem Jahr 1967 wird es im Wiener Gasometer dunkel, zu den darauf folgenden Takten aus Mozarts "Requiem" wird es ernst. Der ehemals als "Fürst der Finsternis" bekannte Marilyn Manson ist mit seinem neuen Album "Heaven Upside Down" auf Tour und lieferte Montagabend in Wien eine kurze, aber solide Show ab.

Marilyn Manson lieferte eine souveräne Show ab SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Marilyn Manson lieferte eine souveräne Show ab

Die musikalische Endzeitstimmung mag man dem 48-jährigen Brian Warner, wie Manson im bürgerlichen Namen heißt, nicht verübeln: Ein Unfall vor zwei Monaten, bei dem der US-Sänger unter einer umstürzenden Bühnendekoration begraben wurde, führte zum jähen Abbruch der laufenden US-Tour und zu einem wochenlangen Ausfall des Musikers, der seine Europa-Konzerte nun weitgehend im Rollstuhl absolviert. "Sorry Vienna, I am a little broken, but I am not breakable" ("Tut mir leid, Wien, ich bin ein bisschen zerbrochen, aber nicht zerbrechlich"), rief Manson nach dem Opener "Revelation #12" dem dicht gedrängten Publikum in der ausverkauften Planet.tt Bank Austria Halle zu. Davor hatte er bewiesen, dass er auch auf einem elektrischen Rollstuhl in Form eines schwarzen Throns ordentlich Stimmung machen kann.

Auch der Tod seines Vaters im vergangenen Frühling hat den exzentrischen Musiker, dessen Alben in den vergangenen zehn Jahren nicht an die Erfolge der späten 1990er-Jahre anknüpfen konnten, schwer mitgenommen, wie er in mehreren Interviews sagte. Doch die Zäsur hat Marilyn Manson, dessen Künstlername sich aus Marilyn Monroe und Charles Manson zusammensetzt, um den amerikanischen Traum mit dem amerikanischen Albtraum zu verschränken, überraschend gut getan: Stimmlich ist er von der ersten Sekunde an voll da, brüllt Hits wie "This Is The New Shit", "Disposable Teens" oder "mObscene" kraftvoll in die Menge und erhebt sich mithilfe von zwei in grüne OP-Kleidung gehüllten Helfern von seinem Rollstuhl, um auf eine Beinprothese gestützt (das gebrochene Bein nach hinten angewinkelt) streckenweise stehend an der Rampe zu performen.

Doch auch wenn viele große Hits bereits am Anfang des Sets stehen, das Wiener Publikum will nicht so recht in Schwung kommen. Zu beschäftigt sind die in die Jahre gekommenen Ex-Goths, ihre Handy-Videos möglichst wackelfrei aufzunehmen. Die Stimmung ändert sich erst, als Manson auf das Unvermeidliche zu sprechen kommt: "Heute ist jemand gestorben", sagt er in die Stille hinein und es steht außer Frage, dass er auf den Mehrfach-Mörder Charles Manson anspielt. "Irgendjemand muss es ja tun", sagt Manson, und liefert nur von einer Gitarre begleitet eine akustische Cover-Version von dessen "Sick City" ab. Danach scheint das Eis gebrochen: Zur aktuellen Single "Kill4Me", in deren Video Johnny Depp in einer Sex-Orgie zu sehen ist, holt sich Marilyn Manson die Zustimmung seiner Fans.

Und so ist der restliche Abend gerettet: Der Uralt-Hit "Tourniquet" aus dem Jahr 1996 wird ebenso bejubelt wie das Eurythmics-Cover "Sweet Dreams", bei dem Manson sich auf einem Krankenbett kniend verausgabt. Zwar entstehen durch die von den Pflegehelfern begleiteten Kostüm- und Positionswechsel immer wieder längere Pausen, die das Tempo des Abends ein wenig drosseln, doch klingt Manson ob der sicherlich herausfordernden körperlichen Situation, die höchste Konzentration erfordert, so gut wie schon lange nicht mehr. Im Stehen und Sitzen singt es sich halt doch leichter als halb bewusstlos auf dem Boden kriechend, wie man es von Manson auch schon das eine oder andere Mal erlebt hat.

Nach einem knackigen "Say10", das live hervorragend funktioniert, erreicht der Abend mit einem schrecklich verhunzten "Beautiful People" - eigentlich eine sichere Bank - einen überraschenden Tiefpunkt. Doch das macht Manson wieder wett, als er noch ein letztes Mal auf die Bühne humpelt und das Publikum zur Ballade "Coma White" entlässt und damit noch einmal verdeutlicht: abgeschrieben ist er noch lange nicht.

Quelle: APA

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