Kultur

Kritik an Preisen für "Masaryk" bei tschechischem Filmpreis

Das Kriegsdrama "Masaryk" über das Münchner Abkommen von 1938 und die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland hat den tschechischen Filmpreis "Böhmischer Löwe" dominiert. Das Drama erhielt zwölf der 14 Auszeichnungen, unter anderem für beste Regie und beste Haupt- und Nebenrollen. Nun regt sich aber Kritik an den Vergaberegeln.

Das Pikante daran: Kaum jemand hat den Siegerfilm bisher gesehen. Er kommt erst am 9. März in die Kinos des Landes. "Dieser Missbrauch der Vergaberegeln hat einigen naturgemäß die Stimmung verdorben", räumte Akademiepräsident Ivo Mathe am Montag im tschechischen Rundfunk ein. Die Satzung müsse geändert werden.

Mit dem Böhmischen Löwen werden normalerweise die besten Filme des Vorjahres ausgezeichnet. Die "Masaryk"-Produzenten zeigten ihren Streifen im Dezember für sieben Vorführungen in einem kleinen Prager Kino - und erfüllten damit formell die Voraussetzungen. Eine ähnliche Regelung gilt auch für die Vergabe der Oscars.

Hollywood-Bösewicht Karel Roden ist in der Rolle des Politikers Jan Masaryk zu sehen. Dieser war tschechoslowakischer Botschafter in London, als das Münchner Abkommen zwischen England, Frankreich, Italien und Deutschland vom September 1938 unterzeichnet wurde. Es erlaubte Deutschland die Annexion des Sudetenlandes. Nach dem Krieg kehrte Masaryk als Außenminister aus dem Exil nach Prag zurück, stürzte aber im März 1948 unter mysteriösen Umständen aus dem Fenster - möglicherweise wurde er ermordet.

Quelle: Apa/Dpa

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