Kunst

54. Viennale: Starke Frauen und viele Gäste gegen Ende

Kinogeher haben ein langes, dichtes Viennale-Wochenende vor sich - zumindest, wenn sie neben dem Freitag auch den Fenstertag und Allerheiligen dazuzählen. Bevor Wiens Filmfestival kommende Woche mit nostalgischen Tönen im Abschlussfilm "La La Land" und Horrorsounds von John Carpenter endet, sind zahlreiche starke Frauen auf und namhafte Gäste vor der Leinwand zu erleben.

54. Viennale: Starke Frauen und viele Gäste gegen Ende SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Viennale-Direktor Hurch gelang ein abwechslungsreiches Programm.

Während beim Regisseurinnen-Anteil im Filmprogramm weiter Luft nach oben ist, ist die zweite Festivalhalbzeit erfreulicherweise von Spielfilmen mit spannenden Frauen im Zentrum geprägt. Sechs Tage lang ist der Gartenbaukino-Abend fest in weiblicher Hand - von Isabelle Huppert als Geschäftsfrau, die in Paul Verhoevens "Elle" nach einer Vergewaltigung die Opferrolle umkehrt (heute, 20.30 Uhr), bis zur Wien-liebenden US-Künstlerin Patti Smith, die an Allerheiligen eine ihrer seltenen intimen Performances gibt.

Dazwischen macht die junge Schauspielerinnen-Generation auf sich aufmerksam. Die dem "Twilight"-Hype längst entwachsene, 26-jährige Kristen Stewart kommuniziert als "Personal Shopper" (u.a. Samstag, 20.30 Uhr) mit dem verstorbenen Bruder und geht als Anwältin in Kelly Reichardts Episodenfilm "Certain Women" (Sonntag, 20.30 Uhr) eine Beziehung mit einer Farmarbeiterin ein. Adele Haenel will als Jungärztin Jenny in "La Fille Inconnue" (Freitag, 20.30 Uhr) einen Mord aufklären, Virginie Efira hält als widersprüchliche Heldin in "Victoria" (Montag, 20.30 Uhr) gerade so den Kopf über Wasser und Natalie Portman und Lily-Rose Depp geben in "Planetarium" (Samstag, 18 Uhr) als Schwesternpaar Seancen in den Nachtklubs der 30er. Schauspielneuling Hayley Squires wiederum hinterlässt Eindruck als alleinerziehende Mutter Katie in Ken Loachs aufrüttelndem Sozialdrama "I, Daniel Blake" (Freitag, 18.30 Uhr), das in Cannes die Goldene Palme erhalten hat.

Einigen dieser Filme folgt dann auch ein Publikumsgespräch, hat sich doch eine Reihe prominenter Filmschaffender für die finalen Festivaltage angekündigt. Aus Belgien reisen Luc Dardenne ("La Fille Inconnue") - der jüngere der renommierten Regiebrüder - sowie die derzeit ungemein gut gebuchte Schauspielerin Virginie Efira ("Victoria", "Elle") an, aus Frankreich kommen Stammgast Olivier Assayas ("Personal Shopper") und die aufstrebende Regisseurin Rebecca Zlotowski ("Planetarium"). Und die beiden diesjährigen rumänischen Beiträge aus dem Cannes-Wettbewerb präsentieren Regisseur Cristi Puiu ("Sieranevada") und Nachwuchsschauspielerin Maria Dragus ("Bacalaureat").

Ein Wiedersehen gibt es mit US-Regisseur Abel Ferrara, der erst vor zwei Jahren seinen jüngsten Film "Pasolini" bei der Viennale präsentierte. Dieses Mal kommt das Enfant terrible anlässlich der Personale für Christopher Walken, in deren Rahmen die gemeinsamen Arbeiten "The Addiction" (Sonntag, 23 Uhr, Gartenbaukino) und "The King of New York" (Montag, 18.30 Uhr, Stadtkino) gezeigt werden. Für beide Vorführungen gibt es noch Karten, während das Patti-Smith-Konzert freilich ebenso ausgebucht ist wie die Galavorstellung des Genreklassikers "They Live" im Stadtkino in Anwesenheit von Gruselmeister John Carpenter am Mittwoch parallel zur Viennale-Abschlussgala. Der 68-Jährige lädt einen Tag nach Festivalende auch in die Stadthalle zur Live-Retrospektive seiner filmischen Sounds.

Stark präsentiert sich nicht zuletzt das österreichische Filmschaffen. Nach internationalen Festivaleinsätzen feiern etwa Händl Klaus' schwules Liebesdrama "Kater" (Dienstag, 17.30 Uhr, Gartenbau und Mittwoch, 13 Uhr, Urania), Nikolaus Geyrhalters kontemplative Doku "Homo Sapiens" (Sonntag, 18 Uhr, Gartenbaukino und Montag, 13.30 Uhr, Stadtkino) und Michael Palms Essayfilm "Cinema Futures" (Sonntag, 20.30 Uhr im Stadtkino und Montag, 15.30 Uhr im Metro) Österreichpremiere. Dreht sich letzterer um Gegenwart und Zukunft von Film und Kino in der Ära des Digitalen, hält die deutsche Doku "66 Kinos" (Donnerstag, 18 Uhr und Freitag, 16 Uhr im Metro) von Philipp Hartmann die letzten Spuren der analogen Ära fest.

Seine Liebe zum Kino kann man - wenn man das denn möchte - mit Sitzfleisch unter Beweis stellen: Die Laufzeit von fünfeinhalb Stunden des politischen Familienporträts "Homeland (Iraq Year Zero)" (Freitag, 12 Uhr, Gartenbau) schlägt nur das phantasmagorische Schwarz-Weiß-Werk "Hele Sa Hiwagang Hapis" (Dienstag, 12 Uhr, Metro) von Lav Diaz, das auf stolze acht Stunden kommt. Da ist es ratsam, sich dazwischen in der Festivalzentrale in der Alten Post die Beine zu vertreten - etwa bei der Halloween-Party am Montag.

Quelle: APA

Aufgerufen am 18.09.2018 um 07:37 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/54-viennale-starke-frauen-und-viele-gaeste-gegen-ende-937750

Schlagzeilen