Kunst

Agnes Husslein befeuert den Streit

Die Direktorin des Belvedere wehrt sich gegen "teilweise absurde Vorwürfe" - vier Kuratoriumsmitglieder kontern.

Agnes Husslein befeuert den Streit SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Agnes Husslein.

Die Konflikte mit und um Agnes Husslein sitzen offenbar so tief, dass sie (ähnlich wie bei Burgtheater oder Osterfestspielen) nach Gutachten auch noch kostspielige und langwierige Gerichtsverfahren nach sich ziehen könnten. Seit einigen Tagen wird der Konflikt wieder befeuert, als Erstes von Agnes Husslein mit einem offenen Brief. Darauf kontern nun vier derweil zurückgetretene Kuratoriumsmitglieder: Hans Wehsely (ehemals Vorsitzender, er trat Ende Juli zurück), Artur Rosenauer, Ingrid Streibel-Zarfl, Manfred Wimmer. Zudem wehrt sich die einstige Prokuristin Ulrike Gruber-Mikulcik über ihren Anwalt Georg Schima gegen Vorwürfe.

Agnes Husslein stellt in ihrem per Belvedere-Newsletter verbreiteten Brief fest, dass die Überschneidung "von beruflicher Tätigkeit und Privatleben" für eine Direktorin wie sie, die "365 Tage im Jahr rund um die Uhr im Einsatz" sei, dem Kuratorium "immer bekannt" gewesen sei, etwa auch, "dass ich im Sommer von meinem Wohnsitz in Kärnten aus arbeite". Die von ihr dem Belvedere verrechneten Reisespesen zwischen Kärnten und Wien seien von der Prokuristin und späteren stellvertretenden Geschäftsführerin Ulrike Gruber-Mikulcik abgezeichnet worden und zudem Hans Wehsely als Kuratoriumsvorsitzenden bekannt gewesen. Der Mitte Juli vorgelegte BDO-Bericht enthalte "teilweise absurde Vorwürfe", diese seien "stichhaltig entkräftet" worden, versichert Agnes Husslein. "Hans Wehsely zwang mich jedoch, Verfehlungen einzugestehen."

Darauf kontert nun Hans Wehsely scharf. Dass er von zwei Dienstorten gewusst habe, "ist eine Lüge", sagt er den SN. "Ich habe gewusst, dass sie hin- und herfährt." Er sei immer davon ausgegangen, dass Agnes Husslein zwei (oder mehrere) Wohnorte habe, aber "nur einen Dienstort, und der ist Wien". Für Fahrten vom Wohnort Reisespesen zu verrechnen sei "ein klarer Untreue-Tatbestand". Da die Direktorin sich bereit erklärt habe, dies als Fehler einzugestehen und den Schaden gutzumachen, sei "von tätiger Reue" auszugehen gewesen, sagt Wehsely. Nur deshalb und nur in Abwägung mit ihren Verdiensten als Direktorin habe das Kuratorium Mitte Juli entschieden, dem Minister keine Amtsenthebung, sondern den Verbleib der Direktorin, also die Erfüllung ihres bis Ende 2016 laufenden Vertrags, zu empfehlen.

Am 17. Juni sei die BDO beauftragt worden, am 14. Juli habe sie den Bericht mit "teilweise schweren Compliance-Verfehlungen" vorgelegt, heißt es in der Stellungnahme der Kuratoren. Diese seien "im Gegensatz zu der von Frau Dr. Husslein-Arco verbreiteten Ansicht nicht schlüssig widerlegt" worden. Die Vorwürfe laut BDO betreffen neben den Reisespesen auch viele Beispiele, wie Agnes Husslein Personal oder Ressourcen des Belvedere für private Zwecke beansprucht hat.

Auch zu dem von der BDO geforderten Honorar von 130.000 Euro nehmen die vier Kuratoren Stellung: Da mitten im Bestellverfahren für eine neue Belvedere-Doppelspitze eine rasche Aufklärung geboten gewesen sei, habe "die Kostenfrage nicht über Kostenvoranschläge oder eine Ausschreibung gelöst werden" können. Allerdings geben sie keinen Hinweis, ob sie dieses Honorar als angemessen erachten.

Derweil hat Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) beschlossen, die Ausschreibung neu zu starten. Und er hat versichert, die 130.000 Euro seien zu hoch und würden keinesfalls bezahlt. Sollte aber die BDO auf dem Honorar beharren, könnte das Ministerium theoretisch versuchen, beim Kuratorium als Auftraggeber oder bei Agnes Husslein als Verursacherin Regress zu nehmen.
Im Wortlaut die Schreiben von Agnes Husslein und von den Kuratoren: www.salzburg.com/kultur

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