Kunst

Alexander Pereiras musikalische Botschafter

Die Filarmonica della Scala aus Mailand gastierte mit einem italienischen Programm bei den Salzburger Festspielen.

Alexander Pereiras musikalische Botschafter SN/sf/gewandhaus/gert mothes
Riccardo Chailly 

Schon wieder ein Orchester, das Claudio Abbado gegründet hat. 1982 war das. Gemeinsam mit den Musikern der Scala in Mailand wollte er über den Operndienst hinaus das symphonische Repertoire beackern, die Filarmonica della Scala, von Dirigenten wie Riccardo Muti und vielen Großen der Zunft geprägt, ist heute eine Säule des Musiklebens in der Region und darüber hinaus sehr reisefreudig. Der Chefdirigent ist zugleich der musikalische Chef des von Alexander Pereira geleiteten Opernhauses, also reiste man mit Riccardo Chailly zum Gastspiel bei den Salzburger Festspielen. Dort fiel das Programm ein wenig aus dem Rahmen der Bruckner-, Strauss- und Mahlerpflege, der musikalische Zugewinn war zum Teil eher unergiebig. Aber italienisch, mit Querverbindungen. Denn die Werke stammten von Luigi Cherubini, der in Paris eine neue Heimat gefunden hatte und für London komponierte, und in Paris hatten auch Giuseppe Verdi und Gioachino Rossini einen Standort des Erfolgs.

Dramaturgisch ging das Konzert am Montag im Großen Festspielhaus eher belanglos an den Start. Der Florentiner Cherubini, heute eher für seine Sakralkompositionen bekannt, hatte in Paris mit schwer dramatischen Opern Erfolg. Eine Konzertouvertüre G-Dur und eine Symphonie D-Dur erklangen wie frühromantische Klangwelten, die sich aus erst später in Mode gekommenen Naturschilderungen speisten, doch außer schönen, kleinzelligen Effekten gaben sie wenig her. Vergleicht man, was lange vorher ein Mozart oder Haydn komponierten - nein, solch ein Vergleich ist unfair. Also blieb ein "nett, das auch einmal zu hören".

Was für ein Einfallsreichtum dagegen, den Giuseppe Verdi in seiner Pariser Oper "Les Vêpres siciliennes" in der Instrumentation vergoss, und das nur bei der in der Opernrealität gestrichenen "Jahreszeiten"-Ballettmusik, die Riccardo Chailly kräftig vorantrieb. Da fühlte sich das Mailänder Orchester in seinem Element, rhythmische Kontraste zum Mitwackeln, fabelhaft flink die Holzbläser. Ein guter Gedanke, dass sich Chailly als Zugabe die Ouvertüre zu "Les Vêpres siciliennes" aufs Pult legte.

Zum Finale aber zündete Riccardo Chailly das ultimative musikalische Feuerwerk. Rossinis Ouvertüre zu "Guillaume Tell" raste nach dem warmen Cellosolo und dem Fanfareneinbruch los, ein Tanz auf der heißen Herdplatte. Aber auch das einzigartige Naturkolorit kam in Sturmmusik oder Hirtenidylle nicht zu kurz. Der Jubel war verdient und verwunderte nicht.

Quelle: SN

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