Kunst

Ausstellung über Vaclav Havel im Wiener Theatermuseum

"Materske divadlo", sein Muttertheater, hat der regimekritische Bühnenautor, Dissident und spätere Präsident Vaclav Havel das Burgtheater genannt.

Ausstellung über Vaclav Havel im Wiener Theatermuseum SN/apa
Während seiner Inhaftierung in der kommunistischen Tschechoslowakei wurden viele Theaterstücke von Vaclav Havel in Wien aufgeführt.

Während seiner Inhaftierung in der kommunistischen Tschechoslowakei wurden viele seiner Theaterstücke in Wien aufgeführt. Das Theatermuseum in Wien erinnert in der am Mittwoch eröffneten Ausstellung "Seine Freiheit, unsere Freiheit" daran.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Am 5. Oktober wäre der 2011 verstorbene Havel 80 Jahre alt geworden, am 9. Oktober liegt die Uraufführung seiner Einakter "Audienz" und "Vernissage" am Akademietheater 40 Jahre zurück. Weil er für die Regierung unter Gustav Husak "kein Repräsentant der tschechoslowakischen Kultur" war, durfte Havel trotz Bemühungen vonseiten der österreichischen Regierung nicht zur Premiere anreisen. 17 Jahre lang war er im gesamten Ostblock mit einem Publikations- und Aufführungsverbot belegt, von 1979 bis 1983 gar inhaftiert - und avancierte währenddessen international zum gefeierten Dramatiker und Hörspielautor.

Eine Schlüsselfigur von damals ist zugleich der Initiator der Schau im Theatermuseum: Achim Benning, von 1976 bis 1986 Burgtheaterdirektor, gab Havels Werken über die Gefahren totalitärer Machtansprüche und die Verantwortung der zivilen Gesellschaft wiederholt eine Bühne. "Ich hoffe, dass diese Ausstellung in dieser Welthauptstadt des Vergessens nicht wieder in Vergessenheit gerät", mahnte Benning bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, und forderte Theatermacher auf, Havels Stücke wieder auf den Spielplan zu nehmen.

Als "Selbstverständlichkeit, nachgerade Verpflichtung" bezeichnete Theatermuseums-Direktor Thomas Trabitsch seine Entscheidung, Bennings Idee nachzukommen. "Es gilt zu zeigen, was für ein großer, für das gemeinsame Europa denkender Mensch Vaclav Havel war", meinte Trabitsch in Bezug auf die Aktualität der Schau, die gemeinsam mit der Vaclav-Havel-Bibliothek Prag konzipiert, in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Zentrum Wien realisiert und von Havels langjähriger Weggefährtin und Beraterin Anna Freimanova kuratiert wurde.

In zwei Erzählstränge hat Freimanova die auf zwei kleine Räume beschränkte Ausstellung gegliedert, rückt einerseits die Inszenierungen von Havels Werken in Wien und andererseits sein Leben in eingeschränkter Freiheit in den Fokus. "Diese zwei Linien sind sich begegnet", meinte Freimanova, hätten sich neben der österreichischen Künstlerszene doch auch Politiker von Bundeskanzler Bruno Kreisky abwärts für Havel eingesetzt. "Diese politische wie auch menschliche Unterstützung war ihm sehr wichtig; durch sie hat er Sinn in seinem Schaffen gesehen."

In einer Vitrine zeugen Briefe an Husak sowie an österreichische Abgeordnete von den langjährigen Bemühungen Bennings und seines Ensembles um Havel; Fotos, Zeitungsartikel und Manuskripte sowie authentische Handschriften Havels vom Ende der 50er-Jahre bis zu seiner Ansprache als Staatspräsident 1989 zeichnen sein Leben und Wirken nach. Aus der Burg sind Regie- und Programmbücher ebenso vertreten wie Ankündigungsplakate; aus Havels Privatbesitz sind seine Gartenmöbel aus den 80er-Jahren sowie seine Schreibmaschine aus den 70er-Jahren zu sehen.

Am 19. Oktober stellt sich das Burgtheater ein weiteres Mal in den Dienst des außergewöhnlichen Dissidenten: Unter dem Titel "Versuch, in der Wahrheit zu leben" lesen Ensemblemitglieder im Kasino am Schwarzenbergplatz aus Havels Texten und erinnern sich Weggefährten wie Benning an den "überzeugten Europäer, mit dessen Dramen Theater als Instrument politischen Handelns und gelebter Solidarität untrennbar verbunden" sind. Auch Filmvorführungen umfasst das Begleitprogramm: Zum Screening der Verfilmung von Havels Stück "Der Abgang" am 20. Jänner im Metro Kinokulturhaus hat sich Havels zweite Ehefrau, die Schauspielerin Dagmar Havlova, angekündigt.

(S E R V I C E - "Seine Freiheit, unsere Freiheit. Václav Havel und das Burgtheater", 22. September 2016 bis 17.4. 2017 im Theatermuseum, Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien. Täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr. Infos und Begleitprogramm unter www.theatermuseum.at)

Quelle: APA

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