Kunst

Ayckbourns Komödie "Schöne Bescherungen" am Landestheater NÖ

"Schöne Bescherungen" gibt es schon jetzt am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten. Dort hat Alan Ayckbourns beliebte Weihnachtskomödie am Mittwochabend - wegen eines Krankheitsfalls war die Premiere um einige Tage verschoben worden - in einer rundum überzeugenden Inszenierung von Sarantos Zervoulakos für beste Unterhaltung gesorgt.

Ayckbourns Komödie "Schöne Bescherungen" am Landestheater NÖ SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Das Landestheater Niederösterreich in St. Pölten.

Fürwahr ein pralles Stück, das auch 36 Jahre nach der Uraufführung nichts von seiner stringenten Treffsicherheit verloren hat: Bissiger Humor, perfide Dialoge und ein skurriles Personal garantieren einen amüsanten Abend jenseits billigen Klamauks. Drei Ehepaare, zwei Singles und ein sonderlicher Schriftsteller verbringen die Feiertage gemeinsam - und schlittern allesamt in eine tiefe Malaise. Latente Konflikte schaukeln sich hoch, Frustrationen wollen kompensiert sein, hoher Alkoholkonsum tut das Seine. Am Ende liegt der Schriftsteller angeschossen am Boden, die Farce mündet in einen durchaus tragödischen Ausgang, unbeschadet kommt hier niemand raus.

Ein wunderbares Ensemble par excellence ist am Werk: Lukas Spisser als reparierwütiger Unternehmer Neville, Bettina Kerl als seine vernachlässigte Ehefrau Belinda, Jaschka Lämmert als seine versoffene Schwester Phyllis, Michael Scherff als deren Mann Bernard (ein schlechter Arzt, der zudem mit jährlichem Puppenspiel nervt), Tim Breyvogel als smarter, aber sich vor jeder Aufgabe drückender Eddie, Zeynep Bozbay als seine schwangere, stets in die Opferrolle geratende Frau Pattie, Tobias Artner als schräger Jungautor, Eva Maria Sommersberg als ihn verehrende Schwester Belindas und schließlich Franz Xaver Zach als schrulliger Harvey, dessen unterschwellige Aggressivität zuletzt zur Eskalation führt. Bühne und Kostüme sind von Christian Kiehl äußerst stimmig gestaltet.

Wer auch immer eine boulevardeske Pflichtübung erwartet hatte, wurde aufs Erfreulichste enttäuscht. Zervoulakos stellt eine sehenswerte Produktion auf die Bühne, die viele Zwischentöne und Schattierungen erfasst, Pointen nicht breitschlägt, sondern zündet, und zwischenmenschlicher Tragikomik Raum gibt. Gut gemachte Videos (Nazgol Emami) in den Umbaupausen verstärken die burlesken Züge dieser wohlgeratenen Produktion.

Quelle: APA

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