Kunst

B-Movie: Berlin, so arm und so sexy

Unter Kaputtniks und Radikalinskis: die spektakuläre Musikdoku "B-Movie".

Tilda Swinton radelt durchs Bild, Keith Haring bemalt die Berliner Mauer, natürlich kommt David Bowie vor, Nick Cave hat einen großen Auftritt. Aber vor allem geht es um die Berliner: Die Tödliche Doris, Blixa Bargeld und die sich formierende Band Einstürzende Neubauten, Irokesenschnitte, Hausbesetzer, die echte Christiane F. Und viele mehr. Die Doku "B-Movie: Lust und Sound in West-Berlin 1979-89" zeigt das Inselparadies West-Berlin im Roten Meer der DDR aus der Sicht eines jungen Briten, von 1979 bis zum Fall der Mauer. Der Plattenladenbesitzer Mark Reeder war erst 21, als er aus dem Manchester-Sounduniversum von Joy Division nach Berlin übersiedelte und Teil der dortigen Punk- und Elektroszene wurde. "Unter den ersten deutschen Wörtern, die ich lernte, waren ,Kaputtnik' und ,Radikalinski'", sagt Reeder. Er gründet ein Plattenlabel, arbeitet als Soundtechniker und Manager für verschiedene Bands, wird sogar Schauspieler. Und während der gemeine West-Punk den Osten ignoriert, reist Mark Reeder auch nach Ost-Berlin, organisiert ein illegales Tote-Hosen-Konzert und bringt den nach West-Musik dürstenden Ossis heimlich Schallplatten mit.

Reeders bisher unpublizierte Filmaufnahmen wurden für "B-Movie" von den Regisseuren Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange mit Fernseh-Archivmaterial und Filmausschnitten ergänzt. Einige der damaligen Protagonisten, darunter Nena, Blixa Bargeld und Nick Cave, erzählen im Audiokommentar des Films von damals. "Berlin gab mir das Selbstvertrauen, Dinge durchzuziehen, ohne mir über die Meinung anderer Gedanken zu machen", sagt Cave. "Das ist eine sehr berlinerische Einstellung." Das Ergebnis ist eine rasante, witzige Musikdoku über eine verschwundene Stadt.

Film: B-Movie: Lust und Sound in West-Berlin 1979-89. Doku, Deutschland 2015. Regie: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange. Start: 17. 7.

Quelle: SN

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