Kunst

"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben

Glücklose Mechaniker, frustrierte Tankwarte: Im Episodenfilm "Bad Luck" ist das Scheitern überall in Kärnten daheim.

An manchen Tagen geht alles schief: Aus Zeitungsrandnotizen entwickelte Regisseur Thomas Woschitz ("Universalove") seinen tragikomischen Episodenfilm "Bad Luck" um eine Handvoll Pechvögel, die in der Kärntner Provinz spektakulär am Leben scheitern. Ein SN-Interview über Autokultur, das Internationale an Kärnten und den Mikrokosmos Tankstelle.

SN: Sie haben fast ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet und dabei großartige Gesichter gefunden. Aber wie überzeugen Sie einen echten Automechaniker, sich vor die Kamera zu stellen?

Woschitz: Das war gerade bei unserem Hauptdarsteller Josef Smretschnig besonders schwer, weil ihn das überhaupt nicht interessiert hat. Wir haben ihn ein halbes Jahr bearbeitet, da hatten wir noch nicht einmal Probeaufnahmen. Wir wussten nur, der wirkt bei seiner Arbeit interessant. Wir haben ihn dann quasi mit der Kamera überfallen, direkt in der Werkstatt, und zum Glück hat er mitgemacht. Und nach dem zweiten Drehtag ist er am Abend zu seiner Frau heimgekommen und hat gesagt, er sperrt die Werkstatt zu, er wird jetzt Schauspieler.

SN: Woraus hat sich "Bad Luck" entwickelt?

Ich habe in der Zeitung in einer Randnotiz gelesen, dass ein Auto nach einem Unfall in einem Baum hängen geblieben ist, und dieses absurde Bild war für mich die Ausgangsgeschichte. Daraufhin hab ich noch weitere Zeitungsberichte von Vorfällen gefunden, die zugleich skurril und tragisch sind: Da gab es eine Frau, die ihre eigene Trafik überfallen hat. Und da war dieser Typ, der so lang von seinem Chef gedemütigt worden ist, bis er sich rächen wollte, und das ging dann schief. Es waren lauter kleine Verzweiflungstaten, die für mich zusammengehört haben, und die wollte ich lakonisch erzählen.

SN: Der Film ist durch die Mundart klar verortet. Wie wichtig ist Kärnten als Schauplatz?

Ich wollte den Film auf dem Land spielen lassen, und das ist der Landstrich, den ich am besten kenne, weil ich da aufgewachsen bin. Von den Figuren, von der Sprache her, da ist schon viel von Kärnten, so wie ich es erlebt habe. Diese Geschichten, die alle im weitesten Sinne mit Autos zu tun haben, sind fast klassische Kärntner Geschichten.

SN: Manche Zuschauer erinnert "Bad Luck" in seiner Stimmung an Tarantino oder Kaurismäki. Ist es trotzdem ein lokaler Film?

Ich hab ein Problem mit filmischem Lokalpatriotismus, weil wir doch hoffen, dass das Publikum nicht nur in Österreich sitzt. Ich bin ja auch nicht mit österreichischen Filmen aufgewachsen, sondern mit internationalen, von Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch. Klar, durch die Mundart setze ich mich der Frage aus, aber das hat für mich mit Authentizität zu tun.

SN: Ans amerikanische Kino erinnert auch der Stellenwert, den Autos in "Bad Luck" haben.

Klar, das Auto ist im amerikanischen Film ein starkes Motiv, aber auch bei uns am Land ist es zentral. Es gibt zu wenig öffentliche Busse und Züge und da ist es notwendig, dass du ein Auto hast. Zugleich ist es ein viel wichtigeres Statussymbol als für Leute in der Stadt. Inzwischen ist es in Wien ja hip, kein Auto zu haben, aber in Kärnten zum Beispiel ist das ein identitätsstiftendes Moment. Es dreht sich sehr viel um das Reparieren und Tunen.

SN: Der Mikrokosmos Tankstelle als moderner Dorfplatz ist Teil dieser Autokultur.

Ja, das ist ein ganz wichtiger Ort. Die Tankstelle, die wir verwendet haben, war wirklich so wie im Film, mit diesen leeren Regalen. Das Einzige, was es nicht mehr gibt, waren die Tankstellentrinker. Das hatten sie bis kurz vor unserem Dreh, aber das wurde ihnen zu viel, dass da immer rauchende und trinkende Leute herumstehen.

SN: Es wird bemerkenswert viel geraucht in Ihrem Film.

Das war schon bei den Dreharbeiten so. Die Produktionsfirma hatte Schilder aufgestellt: Absolutes Rauchverbot auf Tankstellen! Wir haben uns erst dran gehalten. Aber der Tankwart ist neben uns gestanden und hat sich eine nach der anderen angezündet. Irgendwann haben dann halt alle geraucht. Film: Bad Luck. Tragikomödie, Österreich 2015. Regie: Thomas Woschitz. Mit Valerie Pachner, Markus Schwärzer, Thomas Oraže, Christian Zankl, Josef Smretschnig, Ernestine Schmerlaib, Gerhard Kubelka. Start: 29. 5.

(SN)

"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.
"Bad Luck": Von Kärntnern, die kein Schwein haben SN/kgp production
Szenen aus dem Film „Bad Luck“, den Thomas Woschitz in Kärnten spielen lässt.

Aufgerufen am 18.01.2018 um 10:47 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/bad-luck-von-kaerntnern-die-kein-schwein-haben-2447482

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