Kunst

Bechtolfs sympathischer "Figaro" bei Salzburger Festspielen

Der Salzburger Da-Ponte-Zyklus von Sven-Eric Bechtolf wird wohl nicht in die Festspielgeschichte eingehen. Sowohl für seine "Cosi fan tutte" als auch für seinen "Don Giovanni" erntete er insgesamt mehr Häme als Begeisterung. Sein "Figaro" vermochte zwar das Feuilleton ebenfalls nur bedingt zu überzeugen, das Publikum hingegen schon.

Bechtolfs sympathischer "Figaro" bei Salzburger Festspielen SN/ neumayr/leo
Sven–Eric Bechtolf als Doktor in „Der Ignorant und der Wahnsinnige“.

Der Regisseur, Schauspieler und Festspielintendant hat die Ovationen bei der ersten Wiederaufnahme am Dienstagabend im Haus für Mozart sichtlich zufrieden und auch zurecht entgegengenommen. Der "Figaro" liegt ihm.

Schon im Jahr 2007 bewies Bechtolf in Zürich mit einer frechen und sexy Inszenierung, dass er für die singuläre, ebenso erotische wie gesellschaftspolitisch herausragende Buffa von Mozart ein gutes Händchen hat. In Salzburg hat er zwar kein visionäres Regietheater vorgelegt, aber den Ton des Stücks getroffen. Genau wie Dan Ettinger am Pult der Wiener Philharmoniker.

Nicht alles gelang, und nichts war besonders neu. Aber Mozart hat allen Spaß gemacht an diesem Abend.

Da wurde nicht nur gesungen auf der Bühne, sondern sympathisch-leichte Komödie gespielt. Flott, turbulent und witzig. Das Tempo stimmte, und viele kleine, aber kluge Hinweise auf die überaus turbulente Handlung erhöhten das Detailverständnis auch ohne Mitlesen der Übertitel. Viel Personal wuselte herum, und manchmal lenkten Nebenhandlungen oder Gags mit Tieren ein wenig von den Sängern ab.

Der Ort ist ein feudales Landhaus mit Küche, Weinkeller, Gartenlaube und natürlich den Schlafzimmern und Dienstbotenkammern. Bühnenbildner Alex Eales macht diese Räume gleichzeitig sichtbar, quasi als Aufriss oder Querschnitt des gräflichen Anwesen. Es gibt Telefon und elektrisches Licht. Trotzdem sind Bühne, Kostüme (Mark Bouman) und Inszenierung ästhetisch konventionell. Aber sie funktionieren und unterhalten.

Das Bühnenpersonal ist gegenüber der Premiere 2015 fast das Gleiche, nur Anna Prohaska ersetzt heuer Martina Jankova als "Susanna". Die "Neue" fügt sich hervorragend ins Ensemble, eine adrette "Susanna", die gestern anfangs ein wenig dünn klang, dann aber immer besser in ihren Klang fand und am Ende eine großartige Rosen-Arie gab.

Luca Pisaroni war ein attraktiver, beweglicher und zugleich seriös-beeindruckender "Graf", der nichts an baritonaler Klarheit vermissen lies. "Contessa" Anett Fritschs Stimme vibrierte stark, aber mit goldenem Timbre und stattlicher Bühnenpräsenz brachte sie das Publikum rasch auf ihre Seite. "Figaro" Adam Plachetka, "Cherubino" Margarita Gritskova, Ann Murray als "Marcelina" und Carlos Chausson als "Bartolo" sowie Paul Schweinester, Franz Supper, Christina Gansch, Erik Anstine und der Wiener Staatsopernchor komplettierten diesen sympathischen Opernabend bei den Salzburger Festspielen. Damit aber sollte Bechtolfs Da-Ponte-Zyklus in die Archive übersiedeln, Mozarts große Opern wollen neu entdeckt werden.

Quelle: APA

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