Kunst

Belvedere widmet sich Tina Blau

"Frühling im Prater" - das lässt sich bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt nicht wirklich behaupten. Dem "Frühling im Prater" begegnet man jedoch ab Freitag in Gestalt des großformatigen Hauptwerks von Tina Blau in einer Ausstellung im Oberen Belvedere. Diese Schau hat zwei Anlässe: Am 31. Oktober wurde Blaus 100. Todestag begangen, und soeben wurde ihr neues Werkverzeichnis online gestellt.

"Wir haben uns entschlossen, mit den in unserem Research Center erarbeiteten Werkverzeichnissen einen neuen Weg zu gehen und sie digital zugänglich zu machen. Das ist mein Stolz und die Zukunft. Ich freue mich, dass ich das noch auf den Weg bringen konnte", sagte Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco, die nach den Turbulenzen des Herbstes die Leitung des Hauses am 16. Jänner 2017 an die neue Doppelspitze Stella Rollig (künstlerische Direktion) und Wolfgang Bergmann (kaufmännische Direktion) übergeben wird, bei der heutigen Presseführung. Im neuen Jahr sollen elektronische Werkverzeichnisse von Alfred Wickenburg und Kurt Hüpfner folgen, die ebenfalls unter http://werkverzeichnisse.belvedere.at abrufbar sein werden.

Husslein-Arco, der Verstöße gegen Compliance-Regelungen vorgeworfen wurden, wies stolz auf einige weitere Neuerungen hin, die sie Publikum und Nachfolgern hinterlasse: Neben einer Neuaufstellung der berühmten "Messerschmidt-Köpfe" handelt es sich dabei über den Wieder-Einbau der restaurierten alten Fenster ("Es ist für das barocke Schloss ganz wichtig, wieder die barocken Fenster zu haben."), neue Vergoldungen ("Das Schloss strahlt wieder.") sowie den Wiedereinbau der originalen Supraporte über den Türen.

Auch die neue Tina Blau-Schau, die die Serie "Meisterwerke im Fokus" fortsetzt, wird Husslein-Arcos Amtszeit überdauern: Die von Markus Fellinger kuratierte Präsentation, die von einer Publikation begleitet wird, läuft bis 9. April 2017. 1251 Objekte umfasst das Online-Werkverzeichnis, 49 Gemälde aus allen Schaffensperioden der Wiener Malerin zeigt die Ausstellung. Darunter sind einige von Fellinger im Zuge seiner Recherchen wiederentdeckte Frühwerke, die vermutlich erstmals im Rahmen einer Museumsausstellung zu sehen sind.

"Ich bin erst im Zuge der Arbeit am Werkverzeichnis draufgekommen, dass es kaum eine Landschaftsmalerin gegeben hat, die so unabhängig durch die Landschaft gezogen ist", sagte Fellinger. Zahlreiche Praterbilder, wie jener "Frühling im Prater", der Blau 1882/83 schlagartig bekannt gemacht hatte ("Sie wurde europaweit ein Star!"), zeugen ebenso wie Bilder aus Amsterdam, Italien oder Frankreich von ihrer unermüdlichen Reisetätigkeit und ihrem Beharren darauf, Landschaftseindrücke nicht im Studio, sondern in der Landschaft selbst zu verarbeiten. Auch die berühmte Fotografie, die Blau mit ihrem Staffelei-Wägelchen im Prater zeigt, ist zu sehen.

Zwischen Biedermeier und Impressionismus fand die 1845 in Wien geborene Arzttochter, die schon als 14-Jährige von einem Schüler Waldmüllers Malunterricht erhielt, ihren eigenen Weg, der oft als "Stimmungsimpressionismus" beschrieben wird und keineswegs friktionsfrei durchzusetzen war - unter anderem wegen der Tatsache, dass sie kein Mann war. Schmunzelndes Resümee Husslein-Arcos: "Sie war eine sehr emanzipierte Frau und eine starke Persönlichkeit - was mir ja immer gut gefällt."

Quelle: APA

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