Kunst

Berlin-Gastspiel in St. Pölten mit "münchhausen"

Als grandioses Solo für den Schauspieler Milan Peschel hat sich am Donnerstagabend ein frappantes Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin am Landestheater NÖ in St. Pölten mit der 2015 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführten Produktion "münchhausen" von Armin Petras erwiesen. Regie in diesem wortreichen Stück über - ja, worüber eigentlich? - führte Jan Bosse. 

Berlin-Gastspiel in St. Pölten mit "münchhausen" SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Das Landestheater Niederösterreich wurde zum Schauplatz des Stücks.

Schüchtern lugt ein Mann hinter dem mit blauem Himmel und weißen Wölkchen versehenen Vorhang hervor. Bald darauf schleicht er sich durch den Zuschauerraum an, verlegene Slapstick-Blicke werfend. Es stellt sich heraus, dass er auf seinen Kollegen wartet, ohne den das Stück nicht beginnen kann. Kommt irgendwie bekannt vor, Warten auf Godot, Otto Schenk in der Sternstunde des Josef Bieder, und so weiter. 

Also startet ein immenses virtuoses Gelaber, ein kabarettistisch anmutender Redeschwall, um die Zeit zu überbrücken. Da geht es um die Befindlichkeiten des Schauspielerdaseins ("so lange spielen, bis nichts mehr peinlich ist"), um Wahrheit und Lüge ("als zentrales Element von dem hier, was wir machen, von unserem Leben überhaupt"), philosophische Exkurse, Nietzsche, Tolstoi und Konsorten bis zu seichten Witzchen. Zwischendurch nimmt ein wackerer Zuseher auf der Bühne Platz und wird für magere Dialoge instruiert. 

Unvermutet taucht der Erwartete (Martin Otting) knapp vor Schluss doch noch auf, im Münchhausen-Kostüm, und übernimmt das Heft, worauf sich Peschel - optisch irgendwo zwischen Chaplin und Mr. Bean, im Sprechduktus stets unverkennbar der Castorf'schen Riege zugehörig - in ein zitatenreiches logorrhoisches Furioso-Finale steigert. "Was ist denn eigentlich, wenn ich heute nicht aufhöre zu spielen?" Interessante Frage. Das Match zwischen der auf der Homepage angekündigten Spieldauer (zwei Stunden) und dem Aviso im Programmheft (eineinhalb Stunden) gewann jedenfalls das Internet. 

Wo der Gewinn für das Publikum lag, ist nicht eindeutig zu beantworten. Am ehesten wohl in der schauspielerischen Leistung Peschels, die ein halblustiges Stück zu tragen vermochte, dessen originärer Gehalt sich dennoch nicht deutlich erschloss. Der Lügenbaron als Parabel für das Theater, die Kunstfigur als Metapher für das reale Leben? Es "ist ein irres Gefühl, der werden zu können, den man sich erträumt hat." O ja!

Quelle: APA

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