Kunst

Beziehungskiste: "Natürlich ist der Song Contest politisch"

Auch wenn der Song Contest in seinen Statuten politische Statements offiziell verbietet, herrscht zwischen beiden Seiten eine gewisse Verbindung.

Beziehungskiste: "Natürlich ist der Song Contest politisch" SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Boggie aus Ungarn.

Vor rund 100 Gästen lud die Erste Privatstiftung in den Festsaal der diplomatischen Akademie Wien zu einer Podiumsdiskussion, um die Frage zu klären, wie politisch der ESC ist.

Der Einladung folgten ehemalige Song-Contest-Teilnehmer wie Radek Banga (Tschechische Republik 2009), Kim Cooper und Tini Kainrath (Österreich 2000) sowie Rambo Amadeus (Montenegro 2012). Sie alle vertraten nicht nur ihr Land beim größten Musikbewerb der Welt, sondern hatten ein politisches Konstrukt im Hintergrund. Weiters nahm der Australier Dean Vuletic an der Diskussion teil, der an der Universität Wien Vorlesungen über den ESC hält.

"Natürlich ist der Song Contest politisch. Immer dann, wenn mehrere Länder bei einer Veranstaltung wie den ESC involviert sind, ist es gleichzeitig mit Politik verbunden. Auch wenn die Europäische Rundfunkunion sagt, dass es nicht so ist. Anders ist es aber gar nicht möglich", so Vuletic, der auch auf die diesjährigen ESC-Beiträge aus Rumänien, Ungarn und Armenien hinwies, die "allesamt eine politische Message beinhalten". "Wir wollten Letzter werden."
Die Tschechische Republik nahm - exklusive dem heute Abend stattfindenden zweiten Semifinale - erst drei Mal am Song Contest teil. Die Erfolgsquote hält sich bis dato in Grenzen. 2009 schickte man die Gruppierung Gipsy.cz mit dem Lied "Aven Romale" ("Auf geht's, Zigeuner") ins Rennen. Trotz letztem Platz in ihrem Semifinale, sprach Sänger Radek Banga von einem Erfolg: "Wir wollten Letzter werden. Wir haben uns sogar darüber gefreut, keinen einzigen Punkt zu bekommen. Ans Gewinnen haben wir nicht einmal gedacht. Es ging uns nur darum teilzunehmen und mit unserem Lied ein Statement zu setzen."

Weit nach Udo Jürgens und etliche Jahre bevor Conchita Wurst wie ein Phönix aus der Asche entstieg, entsandte Österreich im Jahr 2000 die Rounder Girls zum ESC. Genau zu jener Zeit, als die Europäische Union das Land aufgrund der politischen Situation mit Sanktionen abstrafte. "Ich glaube nicht, dass es ein Zufall war uns hinzuschicken. Immerhin hatten wir zwei schwarze Frauen in unseren Reihen", so Sängerin Kim Cooper. "Beim Song Contest selber haben wir dann gar nicht so viel über unser Lied gesprochen. Wir wurden andauernd über die Situation in Österreich befragt. Das hat uns aber auch nicht gestört. So konnten wir uns wenigstens davon distanzieren und unseren Unmut ausdrucken", fügte Tini Kainrath hinzu. Der schrägste Beitrag
Für einen der schrägsten ESC-Auftritte der letzten Jahre, sorgte 2012 der Montenegriner Rambo Amadeus. Mit seinem satirischen Beitrag "Euro Neuro", wollte er "seine Skepsis gegenüber der Europapolitik äußern". Vor allem wünsche er sich aber, dass "man sich zukünftig wieder mehr auf die Musik und nicht auf die Show konzentriert". Im Zuge dessen stellten die Sänger Russi Nikoff und Vedrana Kovac eine bizarre Neuinterpretation zu "Euro Neuro" vor. Der Komponist selbst war jedenfalls begeistert: "Es war wunderschön. So schön, dass ich es nicht mehr wiedererkannt habe."

Dean Vuletic ist jedenfalls froh, dass es den Eurovision Song Contest gibt: "Am Beispiel von Conchita Wurst sieht man perfekt, wie wichtig diese Veranstaltung ist. 200 Millionen Zuseher haben letztes Jahr den ESC verfolgt. Das kann zu einem Denkanstoß und der Veränderung der Gesellschaft führen."

Quelle: APA

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