Kunst

Brucknerhaus-Chef Frey kehrt Linz ab 2018 den Rücken

Hans Joachim Frey, künstlerischer Direktor der Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA und damit des Brucknerhauses, wird seinen bis Ende 2017 laufenden Vertrag nicht verlängern. Das bestätigte er am Donnerstag in einer Pressekonferenz, in der er gleichzeitig am Vorabend aufgetauchte Gerüchte über einen vorzeitigen Rückzug zurückwies. Er habe ein neues Engagement angenommen - wo, verriet er nicht.

Brucknerhaus-Chef Frey kehrt Linz ab 2018 den Rücken SN/APA/HANNES DRAXLER
Ende 2017 auslaufender Vertrag wird nicht verlängert.

Der zuletzt nach einem Kontrollamtsbericht in die Kritik geratene Frey erklärte, er habe unlängst den Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) davon informiert, dass er seinen bis 31. Dezember 2017 laufenden Vertrag als künstlerischer Leiter des Brucknerhauses nicht verlängern werde. Noch Ende August habe ihm der Bürgermeister eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt.

Frey hat jedoch - so schilderte er die Ereignisse - Mitte Juli "ein einmaliges Angebot" für eine neue Aufgabe erhalten, "das man nur einmal im Leben erhält und nicht auslassen kann". Nähere Details dazu wollte er jedoch mit Rücksicht auf seine Partner noch nicht mitteilen.

Frey hat das Angebot aber bereits angenommen, wie er bestätigte. Wo die neue Aufgabe auf ihn warte, wollte er jedoch noch nicht preisgeben: "Irgendwo in der Welt". Näheres werde er in drei bis vier Wochen mitteilen. "Bis 31. Dezember 2017 stehe ich voll und ganz in Linz zur Verfügung". Es werde bis dahin keine Einbußen an der Qualität des Hauses geben.

Zu seiner Verpflichtung als künstlerischer Chef des Linzer Brucknerhauses erinnerte Frey daran, man habe 2011 für die Position eine international möglichst gut vernetzte Persönlichkeit gesucht und auch seine verschiedenen, vielfach kritisierten Nebentätigkeiten, u.a. in Dresden (Semperoper), Russland, China und Korea genehmigt. Seiner Einschätzung nach ist das Brucknerhaus auf "sehr gutem Weg". Auch die internationale Vernetzung zwischen Kultur und Wirtschaft sei ihm ein besonderes Anliegen. Beim Brucknerfest sei die Internationalisierung ebenfalls "hervorragend gelungen". Er würde sich freilich "neugierigere Linzer wünschen", so Frey.

Tatsache ist, dass beim Brucknerfest, das nun ins Finale geht, vor allem die Konzerte chinesischer und koreanischer Orchester schlecht ausgelastet sind. Frey stand in den vergangenen Wochen im Schussfeld der Kritik. Seit der Veröffentlichung eines Kontrollamtsberichts der Stadt Linz über das Brucknerhaus soll sich der Druck auf ihn erhöht haben. Unter anderem ging es um die schlechte Auslastung, die zu wenig internationale Positionierung oder die zu geringe Ansprache von jungem Publikum.

Mittwochabend waren Gerüchte auftaucht, wonach Frey angeblich vorzeitig das Handtuch werfen wolle. Er dementierte jedoch einen vorzeitigen Abgang. Donnerstag früh teilte Bürgermeister Luger mit, dass der LIVA-Direktor ein anderes Engagement habe, aber seinen bis Ende 2017 laufenden Vertrag erfüllen möchte. Man werde "ehestmöglich eine Ausschreibung dieser so wichtigen Position für unser Kulturmanagement veranlassen", so der Stadtchef.

Vbgm. und Kulturreferent Bernhard Baier (ÖVP), der Frey nach dem Kontrollamtsbericht scharf kritisiert und gesagt hatte, dass sein "Vertrauen erschüttert" sei, betonte ebenfalls, dass nun "rasch Weichen für eine Neuausschreibung des Postens gestellt werden" müssen. Freys Nachfolger habe ein klares Anforderungsprofil zu erfüllen, "insbesondere was die Öffnung des Hauses für ein jüngeres Publikum und Neupositionierung des Brucknerfestes anlangt". Zudem gehe er davon aus, dass Frey "bis zum Ende seines Vertrages mit voller Kraft für das Brucknerhaus weiterarbeitet", so Baier in einer Aussendung.

(APA)

Aufgerufen am 20.02.2018 um 01:04 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/brucknerhaus-chef-frey-kehrt-linz-ab-2018-den-ruecken-998218

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