Kunst

Cyber Arts Ausstellung im Kulturquartier Linz

Sie präsentiert quasi das Best-of der aktuellen Medienkunst: Die Cyber Arts-Ausstellung im Offenen Kulturhaus (OK) im OÖ Kulturquartier in Linz zeigt die Gewinner des diesjährigen Prix Ars Electronica der Kategorien Interactive Art, Digital Communities und Computer Animation sowie ausgezeichnete Projekte. Zugleich verdeutlicht sie eine Entwicklung der Medienkunst hin zur Sozialkritik.

Noch vor gut einem Jahrzehnt sei es vor allem um "Hardware-Darstellungen" gegangen, erläuterte die Direktorin des Ars-Electronica-Festivals Christine Schöpf zu Beginn des Pressrundgangs. Inzwischen habe sich die "Medienkunst emanzipiert und setzt gesellschaftskritische und politische Akzente". Davon geben die mehr als 30 Installationen und Dokumentationen, die vom Foyer bis zum Dachboden des Ursulinenhofes zu sehen sind, einen Eindruck.

Die Goldene Nica in der Kategorie Interactive Art ging an ein Experiment der Schweizer Christoph Wachter und Mathias Jud im Berliner Regierungsviertel. "Can you hear me" ist die Antwort auf Edward Snowdens Enthüllungen des Abhörskandals. Die jungen Männer installierten zwischen der amerikanischen und britischen Botschaft ein unabhängiges, frei zugängliches W-Lan. Diese provisorischen, ungetarnten Antennen errichteten sie jetzt auch für die Ausstellung auf dem Vordach des Ursulinenhofes.

In die Hölle führen einen die beiden Kanadier Louis-Philippe Demers und Bill Vorn mit ihrem "Inferno". Die Unterwerfung des Menschen durch die Automation kann der Besucher am eigenen Körper erfahren. Er steigt in ein "Exoskelet", ein Robotergeschirr. Ab dann hat man nicht mehr die Kontrolle über seine Bewegungen, sondern agiert ferngesteuert.

In der Sparte Digital Communities bietet das ausgezeichnete "Refugee Phrasebook" im Netz eine Sammlung von Phrasen, Vokalen und Links für Geflüchtete und Helfende an. Die Übersetzungen werden als offene Daten und druckfertige Dateien zur Verfügung gestellt.

Aber auch einfach nützliche Entwicklungen finden Anerkennung bei der Jury. Das Duo Benjamin Maus (Deutschland) und Prokop Batonicek (Tschechien) etwa hat eine Art Scanner entwickelt, der aus einem Flussbett die Kieselsteine nach ihrem geologischen Alter ordnet. Für die Installation "Iller" - benannt nach einem deutschen Fluss - legten die Künstler auf einer recheckigen Fläche eine Vielzahl bunter Steine aus dem Gewässer. Darüber fährt eine balkenartige Maschine, die nach einem Bilderkennungssystem arbeitet. Sie sortiert nach strukturellen Merkmalen wie Linien, Schichtungen, Muster, Krönung und Oberflächen die Kiesel.

Seit drei Jahren werden auch visionäre Pioniere der Medienkunst mit einer Goldenen Nica geehrt. Diese Auszeichnung geht heuer an die britische Kuratorin Jasia Reichardt. Im Dachgeschoß des Ursulinenhofes wurde ein Archiv aufgebaut, das Einblicke in ihre seit mehr als 50 jährige Arbeit gibt.

Seit 1987 wird der Preis in insgesamt acht Kategorien teilweise biennal ausgeschrieben. Tausende Künstler aus aller Welt reichen ihre Projekte ein, heuer waren es 3.159 aus 84 Ländern. Die Gewinner bekommen bei der Großen Gala am Freitagabend im Brucknerhaus die Goldenen Nicas überreicht.

(S E R V I C E - "Cyber Arts", Ausstellung im OK - Offenes Kulturhaus für Oberösterreich im Oö. Kulturquartier in Linz, 8. bis 18. September, täglich 10.00 bis 20.30 Uhr, www.ok-centrum.at)

Quelle: APA

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