Kunst

"Das goldene Vlies" im Landestheater NÖ essenziell reduziert

Eine archaische Geschichte voll antiker Mythologie und psychologischer Tragweite in tragödischer Zuspitzung: Die katalanische Regisseurin Alia Luque hat Franz Grillparzers Trilogie "Das goldene Vlies" auf zwei Stunden komprimiert und eine essenziell reduzierte Inszenierung auf die Bühne des Landestheaters NÖ in St. Pölten gestellt. Die Premiere am Samstag wurde großteils zustimmend aufgenommen.

Alle drei Teile - "Der Gastfreund", "Die Argonauten" und "Medea" - hat Luque konzentriert zusammengefasst und zudem mit Texten von Jean Anouilh, Per Lysander, Heiner Müller, Suzanne Osten und Christa Wolf angereichert. Das Resultat mag vielleicht orthodoxe Grillparzer-Kenner verschrecken und durch manche Verkürzung im Detail nicht immer nachvollziehbar wirken, überzeugt jedoch insgesamt substanziell. Auch der Umstand, dass sechs Rollen durch drei Schauspieler dargestellt werden, entspringt nicht (nur) reiner Sparsamkeit, sondern auch innerer Logik.

Das Ereignis des Abends ist wohl Silja Bächli als Medea im roten Plastikkostüm: eine starke, intellektuell überlegene und sinnliche Frau, die all ihre Anlagen dem letztlich abtrünnigen Gespons opfert. Allein wie sie die jeweiligen Situationen mimisch und rhetorisch quittiert, ist ein Erlebnis für sich. Tobias Artner spielt Phryxus und Jason präzise in waidmannsgrüner Pelerine, Bettina Kerl wandlungsfähig den Absyrtus und die Kreusa, Michael Scherff, ideal besetzt, die Könige Aietes und Kreon. Besonders entzückend: Medeas Kinder.

Originell ist zweifellos die Idee, das goldene Vlies mit einem Tänzer (Milan Loviska) zu personifizieren. Originell ist auch das asketisch weiße Bühnenbild, das sich zuletzt keilförmig verengt. Deutlich wird: Es geht um Macht und Gier und den dafür zu entrichtenden Preis und um eine desaströse Korrumpierbarkeit, die bis ins Privateste reicht. Am Schluss regnet es Blut, und das Gold killt wie weiland bei James Bond - eine Message wie ein einprägsames Menetekel. Grillparzer reloaded - durchaus gelungen!

(APA)

Aufgerufen am 21.02.2018 um 10:25 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/das-goldene-vlies-im-landestheater-noe-essenziell-reduziert-1013215

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