Kunst

Dating Queen: Brutale Ehrlichkeit zahlt sich aus

Zwischen One-Night-Stands sucht die Heldin im Film "Dating Queen" das Glück. Gefunden hat Regisseur Apatow einen idealen Komödienstoff.

Wenn es lustig ist, hatte meistens er die Finger im Spiel: Als Produzent und Drehbuchautor hat Judd Apatow in den vergangenen zwanzig Jahren die Erneuerung der Hollywoodkomödie entscheidend mitgeprägt, mit Filmen über Menschen, die Normalität erst gar nicht für erstrebenswert halten.

"Dating Queen" ist nun Apatows vierte Regiearbeit, nach einem Drehbuch von Hauptdarstellerin und Stand-up-Comedian Amy Schumer: Der Film (ab Freitag im Kino) handelt von einer promiskuitiven Großstadtjournalistin (Schumer), die sich irrtümlich in einen wertkonservativen Sportmediziner (Bill Hader) verliebt.

SN: Sie haben mit "Dating Queen" zum ersten Mal in Ihrer Heimatstadt New York gedreht. Ist das etwas Besonderes für Sie?

Apatow: Wir produzieren hier auch Lena Dunhams TV-Serie "Girls", also ganz neu ist das nicht für mich. Aber ein Teil von "Dating Queen" handelt davon, dass Amy für ein Lifestylemagazin schreibt, und ein anderer Teil, dass dieser Arzt mit lauter Starathleten zusammenarbeitet, da hat New York gut gepasst. Und für unseren Dreh wurden ganze Straßenzüge abgesperrt, direkt neben dem Central Park. Da konnte ich mich wie Präsident Barack Obama fühlen: Die Stadt wurde für mich lahmgelegt!

SN: In den vergangenen Jahren haben Sie einige junge Komikerinnen unterstützt: Lena Dunham (Schöpferin der TV-Serie "Girls"), Kristen Wiig ("Brautalarm") oder jetzt auch Amy Schumer. Was haben diese Frauen gemeinsam?

Im besten Fall hat jede Form der Comedy etwas mit brutaler Ehrlichkeit zu tun. Je radikaler, wie bei Amy, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich lustig ist, ein Aufschrei gegen jene, die meinen, wir sollten uns dafür schämen, wie wir sind. Das Beste, was ein Komiker oder eine Komikerin machen kann, ist, die eigene Geschichte zu erzählen. Das ist wie bei einem Song oder einem Gedicht: Die Menschen erkennen, ob man wirklich seine Seele offenbart. Wenn man Trends nachhechelt, läuft sich das schnell tot, aber reine Gefühle halten der Zeit stand. Deswegen mögen wir wahrscheinlich Billy Wilders "Das Appartement" immer noch, und andere Filme wirken nur mehr verstaubt.

SN: Bisher ging es in Ihren Regiearbeiten oft um Männerfreundschaften. Was war Ihre Rolle bei diesem Film?

Das Drehbuch ist das Ergebnis von vielen gemeinsamen Stunden Diskussion mit Amy. Der ganze Prozess hatte etwas von einer Therapie: Sie hat dabei viel nachgedacht über ehemalige Beziehungen, über ihre Familie und ihre Träume und Vorstellungen für ihr eigenes Leben.

SN: Fühlen Sie sich bei einer solchen Arbeit als Mentor?

Ich sehe alle diese Filme als gemeinsame Projekte. Ich habe auch jedes Mal eine andere Rolle: oft Produktion, manchmal Drehbuch, gelegentlich Regie. Und ich hatte ja auch auf jedem Schritt meines Weges Leute, die mir weitergeholfen und die richtigen Fragen gestellt haben. Bei "Cable Guy - die Nervensäge" war Ben Stiller der Regisseur, da hab ich als Produzent viel von ihm gelernt. Dasselbe war es mit Adam McKay ("Anchorman") und mit Dean Parisot, für den ich "Dick and Jane" geschrieben habe. Ich bin ein manischer Sammler, sowohl von Dingen als auch von Menschen und Witzen.

SN: Sie haben mit Ihrem Humor die Kinokomödie der Gegenwart stark mitgeprägt. Hätten Sie sich das je träumen lassen?

Ich habe lediglich versucht, mit meiner Arbeit die Miete zu zahlen, und irgendwann wollte ich halt auch einmal Regie führen. Aber ich hab nie groß darüber nachgedacht, dass ich auch einmal die Gelegenheit bekomme, andere Leute zu fördern oder gar irgendwelche Trends zu setzen. Ich hab bei meiner ersten Regie "Jungfrau (40), männlich, sucht . . ." (2005) bloß versucht, den Film nicht zu versauen. Aber klar, ich versuche alle Beteiligten zu unterstützen, wo ich kann. Und wenn ich meine Sache gut mache, hilft das auch ihnen bei ihrer Karriere, und das ist inzwischen bei einigen Leuten gelungen. Denken Sie etwa an diesen Film hier, an John Cena (der Amys selbstverliebten Freund spielt, Anm.). Er ist Profiwrestler und wirklich atemberaubend witzig. Und jetzt hat ihn Tina Fey gleich auch für ihren nächsten Film engagiert. Ich finde das schön: Die Leute kommen auf die Leinwand, kriegen Gelegenheit zu leuchten. Und heben ab.

Film: Dating Queen. Komödie, USA 2015. Regie: Judd Apatow. Mit Amy Schumer, Bill Hader, Brie Larson, Colin Quinn, John Cena, Vanessa Bayer, Mike Birbiglia, Ezra Miller, Tilda Swinton, LeBron James, Daniel Radcliffe, Marisa Tomei. Start: 14. 8.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.11.2018 um 07:43 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/dating-queen-brutale-ehrlichkeit-zahlt-sich-aus-2238457

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