Kunst

"Deckname Holec": Das geheime Leben des Helmut Z.

Ein Film im Stil rasanter Agenten-Klamotten zeigt den legendären Politiker und ORF-Mann als Spitzel im wilden Osten.

Er war Wiener Bürgermeister, ORF-Fernsehdirektor, Kulturstadtrat, Briefbombenopfer und Liebling der Societyjournalisten. Und als 2009 durch Recherchen des Nachrichtenmagazins profil bekannt wurde, dass ausgerechnet Nationalikone Helmut Zilk in den Sechziger Jahren für den sowjetischen Geheimdienst gespitzelt hatte, war das Entsetzen groß. Wie das damals eventuell gewesen sein könnte, hat sich jetzt Regisseur Franz Novotny ausgedacht, lose angelehnt an die Fakten, und unterfüttert mit Schnaps, Kalauern und vielen barbusigen Frauen.

"Deckname Holec" (ab Freitag im Kino) ist süffiger Geheimdienstklamauk vor der Kulisse des sowjetischen Einmarsches in der Tschechoslowakei 1968. Einiges davon ist in Geschichtsbüchern nachzulesen, vieles aber nachhaltig vertuscht worden, was Novotny erlaubt, hingebungsvoll dahinzufabulieren wie das damals war, als der seriöse Fernsehjournalist Helmut Zilk (Johannes Zeiler) nach Prag reiste, um dort das neuartige Fernsehformat "Stadtgespräche" zu moderieren, das zeitgleich in Wien und Prag gesendet werden konnte.

Eine ideale Chance, um international Aufmerksamkeit für die skandalöse tschechische Zensur zu wecken, findet der junge Regisseur Honza Nemec (Krystof Hádek), doch Zilk interessiert sich mehr für Honzas Lieblingsschauspielerin Eva (Vica Kerekes) und beginnt eine heftige Affäre mit der schönen Frau. Und auch Honza tröstet sich schließlich mit zwei üppigen Bewunderinnen, ehe ihn der Kriegslärm der einmarschierenden Sowjetmilitärs vom Bett an die Kamera ruft, bis zum letzten Blutstropfen. Im Film wird Zilk erpresst, was nicht so passiert ist, auch die Liebesgeschichte ist frei erfunden. Aber natürlich macht sich ein Pantscherl mit der atemberaubenden Nachwuchsschauspielerin besser auf der Leinwand, mit dramatischem Abgang inklusive Stöckelschuhwurf, als die Tatsache, dass Zilk die Spitzeleien freiwillig und ohne Zwang erledigt haben dürfte.

"Deckname Holec" gefällt sich im formalen Zitat der rasanten Sixties-Klamotte, bis hin zu den Titelschriftzügen, und das hätte auch funktionieren können, nur ist das Drehbuch doch zu dünn: Der Wandel des Hedonisten Zilk zum widerspenstigen Helden kommt unvermutet, Novotny versucht genau daraus Spannung zu beziehen, verliert aber an Überzeugungskraft. Schade drum, die Geschichte um Zilk, den Weiberer, der dank seiner Schwäche für schöne Frauen in Geheimdienstfahrwasser gerät, wäre gutes Material gewesen. Aber der Spionagethriller oder, besser noch, die Agentenfernsehserie über die internationalen Politverwicklungen am Ost-West-Schnittpunkt Wien muss erst erfunden werden.

Film: Deckname Holec. Drama, Ö/Tschechien 2016. Regie: Franz Novotny. Mit Johannes Zeiler, Vica Kerekes, Krystof Hadek. Start: 29. 7.

(SN)

Aufgerufen am 21.06.2018 um 09:10 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/deckname-holec-das-geheime-leben-des-helmut-z-1216912

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