Kunst

Den Mammon im Trubel genießen

Schauspieler David Bennent erfreut sich als neuer Mammon im "Jedermann" an der betriebsamen Salzburger Festspielzeit.

Den Mammon im Trubel genießen SN/APA/BARBARA GINDL
David Bennent als Mammon

David Bennent kommt aus einer anderen Ecke des Theaters als jener von Hugo von Hofmanntsthal. Anton Tschechow und William Shakespeare sind seine Welt. Sein Handwerk hat er bei Regisseur Patrice Chéreau in Paris gelernt, in der Truppe des legendären Regisseurs Peter Brook reiste er um die Welt. Für die Salzburger Festspiele schlüpft er nun in eine andere Rolle. Als Mammon im "Jedermann" stürzt er sich Mitten ins bunte Treiben am Salzburger Domplatz.

SN: Wie geht es Ihnen mit der Rolle des Mammon?

Es ist eine schöne und intensive Erfahrung. Es war anfangs auch merkwürdig, weil ich noch nie eine Rollenübernahme innerhalb einer fertigen Inszenierung gemacht habe. Ansonsten kreiere ich die Figur total selbst.
SN: War es für Sie leicht sich in ein Fertiges einzufügen?

Bei der "Jedermann"-Inszenierung wird bildlich gearbeitet. Ich hingegen arbeite per se stark über Körperlichkeit und Sprache. Man hat mir ein Video geschickt, das ich ansehen sollte, damit ich die Arrangements kennenlerne. Ich habe aber keine Sekunde hineingeschaut, sondern erst einmal den Text gelernt und mir Gedanken gemacht. Der Mammon wurde ja bisher immer mit beleibten Schauspielern gezeigt. Ich bin ein anderer Typus mit anderen Bedürfnissen.
SN: Wie wurde ihr Ansatz aufgenommen Ich habe das durchgesetzt und etwas erfunden, was wirklich meines ist. Ich kann nicht einfach Arrangements übernehmen, so arbeite ich nicht. Anfangs gab es schon Diskussionen. Die beiden Regisseure waren leider nicht gleichzeitig bei den Proben da. Zuerst kam Julian Crouch, dann Brian Mertes. Ein gemeinsames Gespräch gab es erst nach der Premiere und nicht vor den Proben. Das war skurril. SN: Wie kamen Sie zu der Rolle und nach Salzburg?

Das war auch ungewöhnlich. Die Assistentin des Intendanten hat mich kontaktiert. Normalerweise fragen die Regisseure bei mir an, ob wir etwas gemeinsam machen wollen. Ich war erstaunt, weil die Regie mich hier gar nicht kannte. Eine glückliche Fügung hat ergeben, dass mich Julian Crouch in Berlin vorab bei meiner Tschechow-Lesung gesehen hat. Das war gut, weil er somit schon vorher wusste, wie ich ticke. Die Lesung ist etwas Ureigenes, ich habe sie alleine gestaltet und bin alleine auf der Bühne.

SN: Der Salzburger "Jedermann" ist von Trubel begleitet.

Es ist eine tolle Erfahrung. Cannes ist ein Dorf gegen Salzburg! Es ist auch ein wenig nervenaufreibend, aber wenn man wie ich dreißig Jahre Theater spielt, dann weiß man, wo man seine Bojen findet. Und die Festspiele machen es einem einfach, sich aufs Spielen zu konzentrieren. Man hat ein ganzes Universum, das einem hilft. Man wird auf dem goldenen Tablett zur Premiere getragen. Das ist wunderbar! Ich habe meiner Agentur begeistert davon berichtet, die sagten: Komm bloß nicht mit diesen Ansprüchen nach Berlin zurück!

SN: Wie empfinden Sie diese große Aufmerksamkeit?

Beim Einkaufen sprechen die Leute mich an, machen Komplimente oder erzählen, wie sehr sie sich auf die Vorstellung nächste Woche freuen, weil sie die guten Kritiken gelesen haben. Oder Leute wollen Autogramme und Fotos.

Es ist ein riesen Rummel, mir macht das großen Spaß, und ich lebe diese Zeit intensiv. Es wäre vollkommen daneben mich in meiner Garderobe zu verkriechen. Das ist ganz anders als meine kleine Kunst in einem Stadttheater. Salzburg ist eine andere Atmosphäre, ich spiele abends vor über 2000 Leuten.

SN: Sie kennen auch das Gegenteil, sind mit Peter Brook weltweit getourt.

Die Arbeit mit Peter Brook war anders, klar. Man ist abgeschottet in seiner kleinen Kugel. Es gibt den Probenraum, das Theater und das Hotel. Es ist wie auf Pilgerschaft - konzentriert auf das Essenzielle.

Ich war sehr jung als ich zur Truppe dazu kam. Es gab Zeiten, als diese Abschottung für mich nicht funktioniert hat. Ich wollte die Städte auch tagsüber sehen und musste ausbuxn' - übrigens das erste Mal in meinem Leben. Meine Eltern waren da nicht streng.

SN: Bekamen Sie Ärger?

Meine täglichen Entdeckungsreisen musste ich mir langsam erkämpfen, aber mit der Zeit wurde es akzeptiert und ich bekam sozusagen offiziellen Ausgang. Beim Spielen konnte man mir nichts vorwerfen, also lockerten sich die Regeln des Maestro, weil er wusste, dass ich verantwortungsvoll bin. Das war eine andere Zeit!

SN: Wird es ein Wiedersehen mit Ihnen in Salzburg im nächsten Jahr geben?

Wir puzzlen gerade daran. Ich wurde schon eingeladen und möchte auch wiederkommen, so schnell gebe ich meinen Mammon nicht her. Aber es ist abhängig davon, wer der neue "Jedermann" wird.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 01:10 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/den-mammon-im-trubel-geniessen-1167118

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