Kunst

"Der Graf von Luxemburg" eröffnete letzte Reinthaller-Saison

Franz Lehars Operette "Der Graf von Luxemburg" bildete am Samstagabend den Auftakt zur letzten Saison von Sebastian Reinthaller als Intendant der Bühne Baden. Regisseur Wolfgang Gratschmaier verlegt das Geschehen des 1909 uraufgeführten Werks in die Zwanziger-Jahre.

Die abstrus scheinende Handlung der laut des Komponisten eigener Einschätzung "schlampigen Arbeit" ist spätestens auf den zweiten Blick alles andere als operettenselig: Zwei, die nicht wissen, dass sie miteinander verheiratet sind, lernen einander kennen und verlieben sich ineinander. Dass all den Verwicklungen ökonomische Motive und schnöde Berechnung zugrunde liegen, könnte die Sache doppelt spannend machen: Lehar als Beziehungs-Analytiker und Materialismus-Kritiker.

Die Chorszene zu Beginn gelang schon einmal sehr schmissig, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man einige Minuten brauchte, um die Sprache zu identifizieren, in der gesungen wurde, was auf einen Mangel an Textdeutlichkeit schließen ließ, der sich leider auch in weiterer Folge immer wieder bemerkbar machte. So litten auch die zeitkritischen Coupletstrophen unter Unverständlichkeit.

Mehrzad Montazeri in der Titelrolle reüssiert immerhin mit schönem Tenormaterial. Des Grafen wie des Fürsten geliebte Angele (Monika Rebholz) bringt den milden Charme einer freundlichen TV-Moderatorin ein, aber keine sicht- und hörbaren Emotionen. Charakterzeichnung zählt ohnehin nicht zu den Vorzügen des Abends. Michael Havlicek ist ein sympathischer junger Maler, Claudia Goebl seine schnappige Juliette, Alfred Pfeifer ein resignierender Fürst Basil, Regina Schörg als russische Gräfin schrammt am Rande der Überzeichnung entlang.

Warum Gratschmaier und Ausstatter Gilles Gubelmann die Handlung aus dem Paris des Fin de Siècle in die Golden Twenties verlegen (mit teilweise hübschen Kostümen und Dekors sowie Perücken, die ebenso an Mireille Mathieu erinnern wie an Bubiköpfe), bleibt im Grunde rätselhaft. Die als Begründung herangezogenen Anklänge an Offenbach, das Chanson und Michael Heltau wirken da nicht ganz nachvollziehbar. Aber sei's drum: ein gewisser Revuecharakter lässt sich gar nicht absprechen. Und wie heißt es doch so pragmatisch: "Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen..."

Quelle: APA

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