Kunst

Der Song "Together Stronger" soll Wales ins EM-Finale bringen

Wales im EURO-Halbfinale: Das ist nicht nur sensationell, sondern musikalisch hochverdient.

Chris Coleman lobt nicht nur seine Spieler, sondern gleich das Land. Wales sei geografisch klein, "aber was die Leidenschaft angeht, sind wir ein Kontinent." Dass in der Betrachtung des Erfolges der walisischen Fußballnationalmannschaft - sie spielt heute im Halbfinale der Euro gegen Portugal - fettes Pathos mitschwingt, ist kein Zufall. Immerhin vertreten die Kicker ein Land, das den wortmächtigen Dylan Thomas als Literaturheiligen verehrt. Und drüben in Amerika hat sich ein gewisser Robert Zimmermann, ein Dichtersänger, nach diesem Dylan benannt - womit wir bei der Popmusik sind und einem guten Grund, warum man sich Wales schon vor dieser Euro als Sieger hat wählen können.

Traditionell enge Beziehung zwischen Popkultur und Fußball

Die Manic Street Preachers haben für ihre walisischen Landsmänner den Song "Together Stronger (C ´mon Wales)" geschrieben. Dass eine der wichtigsten britischen Bands der vergangenen dreißig Jahre, einen Fußballsong verfasst, verweist auf die traditionell enge Beziehung zwischen Popkultur und Fußball. Inspiriert von der Leidenschaft des Punk und sozialisiert im Widerstand gegen die harte Hand von Margaret Thatcher wuchsen die Manic Street Preachers zu einer Polit-Popgröße, die aber nie auf die Süffigkeit des Pop verzichtete. Mit solch einer Geschichte gibt man sich auch in der Beziehung zum Fußball nicht mit volkstümelnder Banalität zufrieden, wie das im deutschen Sprachraum üblich ist.

Hier singen Nationalmannschaften mit Schlagerstars. Oder es trällern halblustige Comedy-Kasperl simple Anfeuerungssongs. Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder irgendwas. Für solche kulturellen Missverständnisse sind Fußball und Popmusik in Großbritannien zu bedeutend.

Erinnerung und Sehnsucht: Vier Minuten lang preisen sie ihr Team

Also packen die Manic Street Preachers nicht bloß Anfeuerung und Leidenschaft, sondern auch Erinnerung und Sehnsucht in den Song. Knapp vier Minuten lang preisen sie ihr Team. Gitarrenlastig treiben sie die (mit dem Halbfinaleinzug erfüllte) Hoffnung auf Großes voran. Beschworen wie die kollektive Anstrengung der Underdogs. Und es wird ein Blick in die dramatische Geschichte geworfen, in der sich Wales jahrzehntelang für kein großes Turnier qualifizieren konnte. Und es wird auch zutiefst persönlich, wenn auch der der 2011 per Suizid ums Leben gekommene Gary Speed, ein Nationalheld, auftaucht. Feinfühlig wird darüber gesungen. Klar wird: Undenkbar ist es für die Manic Street Preachers, dass ein Fußballsong bloß Schunkeln und Mitgröhlen provozieren soll.

In der sehr, sehr kurzen Liste "Unpeinliche Fußballsongs" hat "Together Stronger (C 'mon Wales)" einen Spitzenplatz eingenommen neben "Football's Coming Home" von den Lightning Seeds, der 1996 zur Europameisterschaft in England entstanden war. Und bei allem Pathos, dass so einen Songs naturgemäß umweht, bleibt "Together Stronger" vor allem ein guter Rocksong mit beeindruckender Gesangslinie. Zufall? Eher nicht.

Wales, der Kontinent aus Leidenschaft, ist ein Land der Sänger. Dementsprechend ist der Beitrag zur Popgeschichte groß. Unter anderem stammen Shirley Bassey, John Cale, Tom Jones, Duffy oder Bonnie Tyler aus dem kleinen Land.

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