Kunst

Die Gutmenschen und ihre Feinde im Landestheater

Philipp Löhles Ehekomödie "Wir sind keine Barbaren" feierte Premiere bei den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters.

Die Gutmenschen und ihre Feinde im Landestheater SN/nna-maria löffelberger
Ein Nachbar-Selfie auf das Kennenlernen: Hanna Kastner, Britta Bayer, Axel Meinhardt und Gregor Weisgerber.Anna-Maria Löffelberger

WIR sind hier. WIR sind viele. WIR sind ein Volk. Ein Heimatchor taucht hinter einem Transparent vor einer idyllischen Bergkulisse auf. Philipp Löhles Ehekomödie "Wir sind keine Barbaren", die am Samstag in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters Premiere feierte, jongliert mit den durchaus aktuellen Ängsten der europäischen Mittelschicht angesichts des Flüchtlingszustroms des vergangenen Jahres.

Barbara (Britta Bayer) und Mario (Axel Meinhardt) treffen auf ihre neuen Nachbarn Linda (Hanna Kastner) und Paul (Gregor Weisgerber). Proseccoschlürfend unterhalten sie sich über Pilates und Yoga. Das minimalistische Bühnenbild kommt mit einem Sofa in der Raummitte aus. Die scheinbare Harmonie zwischen den neuen Nachbarn wird aufgebrochen, als eines Nachts ein Flüchtling an die Tür klopft. Die Welt der durchschnittlichen Wohlstandsbürger gerät aus den Fugen.

Während sich das Hysterielevel steigert und in "Gutmenschen"-Beschimpfungen gipfelt, bleibt Barbara auf der Seite des Flüchtlings Bobo. Oder Klint. Auf einen Namen kann man sich nicht einigen. Zu sehen ist der Flüchtling nie. Er wird zum Pars pro Toto für die Unterdrückten dieser Welt. Xenophobie macht sich breit, unterdrückte Ressentiments kochen hoch.

Zu allem fügt Regisseur Claus Tröger noch eine Prise Sex hinzu. Wenn Barbara das Gebetsritual des Flüchtlings imitiert, wird das zur Bühne für die sexuelle Lust der weißen Frau.

Der Chor aus dem Hintergrund konterkariert den sich anbahnenden Krimiplot mit ausländerfeindlichen Parolen. "WIR haben Grenzen. Die Abgründe in unserem Inneren sind tief. Unheimlich tief. Konservativ. Bobo, Klint muss weg."

Das Stück "Wir sind keine Barbaren" wärmt die Argumente für und wider eine Willkommenskultur auf. Der Zuseher findet sich in einer von Klischees dirigierten Welt wieder. Hier gut, dort böse.

Löhles Ehekomödie spielt mit den bekannten Vorurteilen, bleibt aber auf weiten Strecken leider oberflächlich. Diese inhaltliche Schwäche kann auch das schauspielerisch überzeugende Ensemble nicht wettmachen. Manchmal bedarf es eben zwischen dem Schwarz und dem Weiß ein paar Farbtönen.

Aufführungen bis 27. 10. 2016.

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