Kunst

"Die Welt der Wunderlichs": Anders glücklich als erhofft

Dani Levys Tragikomödie handelt von einer warmherzigen Chaosfamilie.

Familienfilme mit schrulligen Großvätern, fordernden Enkeln und verschrobenen Tanten sind eine dankbare Filmgattung, schließlich haben (oder sind) die meisten Menschen ebenfalls kuriose Anverwandte und freuen sich, wenn es anderen ähnlich geht. "Die Welt der Wunderlichs - Liebe muss man können" treibt die Sache allerdings auf die Spitze, denn in der Familie von Mimi (Katharina Schüttler) könnte man jedem eine psychiatrische Diagnose verpassen, wenn man denn wollte.

Ihr siebenjähriger Sohn Felix etwa wäre demnach hyperaktiv, doch Mimi wehrt sich mit aller Macht gegen Ritalin für das Kind, auch wenn der noch so schlimm ist in der Schule. "Mama weiß nämlich, wie das wirkt, die hat schon alle Drogen ausprobiert" erklärt Felix der Direktorin hilfreich, und auch wenn die indigniert schaut: Ganz unrecht hat er nicht. Mama war früher nämlich in einer Band, mit Felix' Papa, einem mittlerweile abgehalfterten Rocker (Martin Feifel).

Doch während der weiterhin sich selbst und allfällige Hotelzimmer zerstört, hat sie um Felix' Willen das wenig glamouröse Leben einer Alleinerzieherin gewählt, arbeitet in der CD-Abteilung eines Elektrogroßmarktes, und kümmert sich um den Rest der Familie, vor allem ihren Vater (genussvoll anarchisch: Peter Simonischek), der sich gelegentlich umbringen will, sich aber in den euphorischen Phasen seiner bipolaren Störung sich alle Naselang verliebt, beim Pferderennen Mimis Notgroschen verwettet und im übrigen grandiose Ideen hat. Beispielsweise, Mimi bei einem Talentewettbewerb in der Schweiz anzumelden, "The Last Chance" heißt der, Arabella Kiesbauer moderiert, und nun soll Mimi da hin, und eigentlich will sie auch, weil schließlich die Musik immer schon ihre ganz große Liebe war.

Den Großteil des Films widmet Regisseur Dani Levy ("Alles auf Zucker") der Etablierung seiner ungewöhnlichen Charaktere, Mimis selbstbezogener Mutter (Hannelore Elsner), der grenzgängerischen Schwester (Christiane Paul), einem unerwarteten Verehrer (Stephan Groth), bis "Die Welt der Wunderlichs" in ein Roadmovie kippt und schließlich tatsächlich auf der Schweizer Showbühne endet, übrigens mit zwei Songs, die wirklich was taugen. Und so albern konstruiert das alles ist, die Figuren sind mit derart viel Herzlichkeit erzählt, mit einer so großen Liebe für jede Person, und einer wohltuenden Nichtbeachtung oder Neudeutung von Familienfilmkonventionen, dass die Familie Wunderlich vor allem zum Freuen ist. Normal, das können gern die anderen sein.

Film: Die Welt der Wunderlichs - Liebe muss man können. Komödie, Deutschland, Schweiz 2016. Regie: Dani Levy. Mit: Katharina Schüttler, Peter Simonischek, u. a. Start: 14. 10.

(SN)

Aufgerufen am 18.06.2018 um 07:26 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/die-welt-der-wunderlichs-anders-gluecklich-als-erhofft-981241

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