Kunst

Ein ganz normales Wohnzimmer, aber was für eine Geschichte

Das Jüdische Museum erhielt Möbel. Sie erzählen eine Familiengeschichte aus Tagen, als es um Leben und Tod ging.

Ein ganz normales Wohnzimmer, aber was für eine Geschichte SN/jmw/david peters

Die Möbel sind da. So hat es im Wohnzimmer der Großeltern in Wien um 1920 ausgesehen, die es sich leisten konnten, einen Tischler mit Möbeln nach Maß zu beauftragen. Die Kürschnerfamilie Glück hatte sich den sozialen Status erarbeitet, alle hatten einen Migrationshintergrund, schon die Wohnadressen bezeugen den Aufstieg, 16., dann 2. und zuletzt 1. Bezirk. Der Tischler war noch ein Handwerker und kein Designer. Ein geschickter Mann, der sorgsam mit der Furniermaserung arbeitete und sogar mit dem Design auf der Höhe der Zeit war. Das Ecksofa konnte als Raumteiler genutzt werden, denn hinten baute er ein Regal ein. Wie es genau im Wohnzimmer der Familie Glück ausgeschaut hat, davon ist keine Fotografie erhalten. Fotos gibt es hingegen vom letzten "Aufenthalt" der Möbel - in New York. Nippes und Blumen, Fotorahmen auf dem Sideboard, Porzellan, Kitsch und Krempel in der Bar. Das Sofa ist leicht beschädigt und alles hat Spuren der Benutzung. Dass die Möbel nun im Jüdischen Museum in Wien ausgestellt sind, hat eine lange und tragische Vorgeschichte. Das Wohnzimmer der Familie Glück ist zugleich Zeuge von Vertreibung und Flucht - und Neubeginn in einer unseligen Zeit.

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Aufgerufen am 19.09.2018 um 07:11 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/ein-ganz-normales-wohnzimmer-aber-was-fuer-eine-geschichte-1026079