Kunst

Ein Zauberer sucht die Magie

Prospero. Peter Simonischek und Salzburg - das ist seit vielen Jahren eine Liebesbeziehung.

Ein Zauberer sucht die Magie SN/marco riebler
„Es geht immer um Erkenntnisgewinn, sonst bringt doch alles nicht“, sagt Peter Simonischek.

Ein Ausloten ist es. Ein Herantasten. Und so muss es immer auch ein Zuhören und ein Hineinhören sein.

Wenn Peter Simonischek über seine Schauspielerei redet, dreht sich vieles um Respekt und um Beziehungen, die sich zwischen den Beteiligten entwickeln. Und um die Magie, die Abend für Abend wachsen soll. Es geht um den Stoff, von dem erzählt wird, und um die Idee, "etwas herauszufinden für sich und für das Publikum".

In William Shakespeares "Der Sturm" ist Peter Simonischek heuer zu sehen. Es ist das Stück, in dem er als Prospero "Wir sind aus solchem Stoff, wie Träume sind" zu sagen haben wird.

"Na ja, der Stoff der Träume . . .", sagt Simonischek, stockt, legt den Kopf zur Seite und versinkt in Gedanken. Er wisse nicht recht, welcher Stoff das sein könnte. "Vielleicht", sagt er, "vielleicht ist ja das Leben jener Traumstoff, aus dem man erst erwacht, wenn man stirbt - vielleicht."

Da er lang sucht in seinen Rollen, wurde er auch zum Rekord-Jedermann der Salzburger Festspiele. Nach drei Jahren in der Hauptrolle auf dem Domplatz wollte er aufhören. Seine Ehefrau, Brigitte Karner, habe ihn damals gefragt, ob er "tatsächlich schon alles erlebt hat mit der Rolle". Da begann das Nachdenken und er verlängerte seinen Vertrag.

1982 hat Peter Simonischek sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gegeben. Unter der Regie von Dieter Dorn spielte er damals "Torquato Tasso". "Ich erinnere mich an eine schwierige Zeit", sagt er. Aus der schwierigen Zeit wurde eine Liebesaffäre. Gern ist er im Sommer in Salzburg.

Nun ist er also wieder da. Und wieder geht es "um die Suche nach dem Kern des Stoffs". Dieses Mal kommt er als Magier, als Zauberer. Eingesprungen als Prospero ist er für Hans-Michael Rehberg. Regie bei "Der Sturm" auf der Halleiner Pernerinsel führt die Britin Deborah Warner.

Wenn Peter Simonischek von ihr spricht, gerät er ins Schwärmen. Das liegt auch daran, dass er "keine Angst" habe bei dieser Arbeit. Wenn man Angst habe, wenn man ganz zumache, "dann ist's aus". Bei den Proben für "Der Sturm" sei das anders. Es herrsche Offenheit "in dieser Annäherung an den Stoff, an den Text, aus dem das Spiel entsteht".

Und bei Deborah Warner verstehe er, "wo die Impulse herkommen". Das sei ein wunderbares Gefühl. Letztendlich sei er als Schauspieler ja von so vielen anderen Menschen abhängig. Man erzeuge da immer ein Gesamtkunstwerk.

William Shakespeares Stück, das vermutlich letzte des Theatermeisters, sei "ein großes Rätsel, kommt daher wie ein Märchen" - recht undurchschaubar, und so besonders reizvoll. Dieses Stück sei "so viel". Ob man dabei denn immer zu einem eindeutigen Schluss kommen könne? "Man kommt zu einem Ergebnis, zu einer Deutung", sagt Peter Simonischek.

Verraten über die konkrete Arbeit will er nicht sehr viel. Es ist nicht seine Art, über mögliche Ergebnisse zu reden, während er sich mit dem Produktionsteam erst auf dem Weg, auf der Suche befindet.

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