Kunst

Eine Königin und eineEdelfrau

Eine der mächtigsten Frauen Europas steht im Zentrum von "Girl King".

Eine Königin und eineEdelfrau SN/filmladen
Szene aus „The Girl King“.

Liv Ullmann hat sie gespielt, und sogar Greta Garbo: Die Biografie der Königin Kristina von Schweden, die im 17. Jahrhundert herrschte, ist faszinierender Stoff. Schon als Sechsjährige folgte sie ihrem Vater mangels männlichen Nachkommens auf den Thron nach, sie wurde als Prinz erzogen und ausgebildet, tauschte sich mit den größten Denkern Europas aus, von Blaise Pascal bis René Descartes, und bemühte sich, Schweden von einem Land der Bauern und Jäger zu einem kultivierten Ort zu machen. Sie lehnte alle standesgemäßen Avancen von Edelleuten ab und heiratete nie. Und sie war jene europäische Herrscherin, der es gelang, den Dreißigjährigen Krieg zu beenden. Weitgehend hält sich Mika Kaurismäkis Filmbiografie "The Girl King" (ab Freitag im Kino) an die bekannten historischen Fakten, jedoch aufgepolstert mit schwelgerischen Blicken, bebenden Busen, schnaubenden Pferden in Zeitlupe und schwärmerischen Streichern auf dem Soundtrack: Der Film wirkt, als hätte sich der verstorbene Peter Kern ("Der letzte Sommer der Reichen") um die aufwühlende Geschichte dieser Frau angenommen, die lieber eine Hofdame an ihre Seite und in ihr Bett einlud, anstatt sich den Konventionen zu beugen und sich einem Ehemann zu unterwerfen. Aus der Geschichte dieser freiheitshungrigen Frau wird bei Kaurismäki dampfiger, leise kurioser Kostümschwulst, mit lesbischer Liebe im Gegenlicht und heftigem Herzschmerz, und mit einer Martina Gedeck als karnevalesker Furie von Königinmutter mit blonder Perücke.

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