Kunst

Emotionaler Tour-Höhepunkt von Seiler und Speer in Wien

Seiler und Speer auf den Spuren von Ambros & Co: Das Neo-Austropop-Duo lieferte Freitagabend einen grandiosen Tour-Höhepunkt in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Die "alten" Hits - allen voran "Ham kummst" - funktionieren live sowieso, neue Nummern aber auch erstaunlich gut. Die textsicheren Fans übernahmen bedeutende Teile der Vocals, das ganze Konzert war ein emotionaler Abend unter Freunden.

Emotionaler Tour-Höhepunkt von Seiler und Speer in Wien SN/APA (Archiv/Oczeret)/HERBERT P.
Seiler und Speer begeisterten ihre Fans.

Der Triumphzug der beiden "Edel-Proleten" mit Herz, der erst vor rund eineinhalb Jahren mit "Ham kummst" begonnen hatte, hat live deutliche positive Spuren hinterlassen: Die Begleitband - die "MeliBar Combo" - hat weiter an musikalischer Souveränität gewonnen, die optische Umsetzung tendiert eindeutig in Richtung Bombast - Konfetti-"Explosionen", dichter Papier-Schneeflocken-"Regen", Geysir-artige Bühnennebel-Kanonen und spektakuläre vertikale Flammenwerfer auch mitten im Publikum werden aufgeboten. Ein bisschen hat man den Eindruck, dass Christopher Seiler und Bernhard Speer sich da gerade ihre Popstar-Kindheitsträume erfüllen. Aber auch dem Publikum gefällt's, und damit ist es in Ordnung.

Vor allem deswegen, weil die vielen wirklich großartigen Songs dabei nicht zu kurz kommen. Und manche live sogar einiges gegenüber den eher unspektakulären Studioversionen gewinnen: "I wü ned" - das Intro sangen die Fans allein - und vor allem das auf Sommerhit getrimmte "Stopp doch die Zeit" fahren in der verschärften Reggae-Bühnenversion wirklich in die Beine, und der kritische Weihnachtssong "Der letzte Schnee" kann eigentlich nicht besser interpretiert werden als live am Freitag in der Stadthalle. Auch neue Nummern fügen sich gut ein, etwa "Setz di her". Bravourös im Spannungsaufbau: "Es is koid" - Christopher Seiler fängt ganz läppisch auf der Akustikgitarre an, am Ende explodiert die Nummer in einem Rock-Gewitter auf Stadion-Niveau.

Dass Seiler und Speer "Austropopper" sind, sagen sie ja selbst. Sie spielen aber Austropop des 21. Jahrhunderts, manchmal schon auch nachdenklich, aber vermutlich deutlich rockiger als ihre Genre-Vorfahren Ambros, Danzer & Co. Aber die Verbindungen sind ohnedies nicht zu übersehen: So sitzt in der "MeliBar Combo" etwa Matthias Ambros, einer der Söhne vom "Wolferl", an den Drums. Und Seiler und Speer haben neuerdings auch den immer wieder tollen Danzer-Cover "Ruaf mi net an" im Programm.

Zum Konzertende gab es zunächst thematisch passend "Sperrstund is" mit heftiger Flammenwerfer-Begleitung, ehe die erste Zugabe angestimmt wurde - eingeleitet von Christopher Seiler mit den Worten "Wir kennans nimma hör'n, aber wir kennans no spü'n": ihr Superhit "Ham kummst", wobei es da für die beiden auf der Bühne kaum nötig war, selbst zu singen. Und ganz zum Schluss kam noch einmal der Opener, wie schon im Vorjahr im Gasometer: "Soits lebn" - besser kann man ein solches Konzert auch nicht beschließen. Aber amoi geht's no - am Samstag ist in der Stadthalle Graz endgültiger Tourabschluss für Seiler und Speer.

Quelle: APA

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