Kunst

Familienkrise bei der Totenwache

Jane Fonda als neurotische Matriarchin: "Sieben verdammt lange Tage".

Familienfeste sind das reinste Neurosenbuffet für Drehbuchautoren, und Begräbnisse und Totenwachen erst recht. "Sieben verdammt lange Tage" heißt die Komödie von Shawn Levy nach dem gleichnamigen Roman von Jonathan Tropper, die das Thema erneut aufrollt: Jason Bateman spielt Judd, einen pflichtbewussten Radiomann, der seine Frau im Bett mit seinem Chef ertappt, und am selben Tag die Nachricht vom Tod seines Vaters bekommt.

Judd kehrt daraufhin zurück in seinen Heimatort, wo er auf seine neurotische Mutter Hillary (Jane Fonda), seine Schwester Kate (Tina Fey), seine Brüder (Adam Driver, Corey Stoll) und ihre Partnerinnen trifft. Erst nach der Beerdigung erfährt er, sein Vater habe sich gewünscht, dass die Familie Shiv'a sitzt, die siebentägige jüdische Totenwache. Natürlich dringen in diesen sieben Tagen erzwungenen Zusammenseins alte Konflikte und neue Probleme an die Oberfläche, Judd begegnet einer potenziellen neuen Freundin, Kate ihrem früheren, hirngeschädigten Freund, tiefe Verletzungen und zarte Gefühle werden offenbar. "Sieben verdammt lange Tage" könnte genauso gut ein Drama sein, biegt aber immer dann vorsichtshalber mit Slapstick, einem Busen- oder Nachttopfwitz in Richtung Komödie ab, wenn es zu ernst zu werden droht.

Von der Grundkonstellation ist der Film geradezu lächerlich ähnlich dem zynischen Kammerspieldrama "Im August in Osage County", in dem Julia Roberts als Tochter und Meryl Streep als Matriarchin ein zweifach oscarnominiertes Emotionsduell bis zur Selbstzerstörung hinlegten.

"Sieben verdammt lange Tage" nun demonstriert, wie eine Komödie aus einem vergleichbaren Stoff funktioniert, und das ist gar nicht einmal so schlecht. Oscarmaterial ist es allerdings nicht.
Film: Sieben verdammt lange Tage. Komödie, USA 2014. Länge: 103 Min. Regie: Shawn Levy. Mit Jason Bateman, Tina Fey, Jane Fonda. Start: 25. 9.

Quelle: SN

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