Kunst

Filmfestival Venedig: Drei österreichische Filmbeiträge

Ingrid Burkhard kam wegen des Films "Die Einsiedler" zu späten Filmfestspielehren in Venedig. Insgesamt drei österreichische Langfilmbeiträge feierten am Wochenende ihre Weltpremieren vor internationalem Publikum

Filmfestival Venedig: Drei österreichische Filmbeiträge SN/golden girls production/klemens hufnagl
Ingrid Burkhard in „Die Einsiedler“

Es ist eine Reise wie in eine andere Epoche: "Die Einsiedler" des Südtirolers Ronny Trocker feierte am Samstagabend Weltpremiere in Venedig, in Anwesenheit der beiden Hauptdarsteller Andreas Lust und Ingrid Burkhard. Der Film handelt vom Dasein auf einem Bergbauernhof, der nur über einen steilen Wanderweg zu erreichen ist, und vom Zwiespalt des Bauernsohnes, als er droben von seinen Eltern gebraucht wird, obwohl er sich für das Leben im Tal entschieden hat. Burkhard spielt die Mutter, die mit wenigen Worten den Alltag schupft, melkt, neugeborene Kätzchen ertränkt, was eben so zu tun ist. Und Lust ist der Sohn, der unten in einem Steinbruch arbeitet, Marmortafeln aus dem Berg schneidet, die schon in der Entstehung an Grabplatten erinnern. Burkhard spielt mit einer fast ikonischen Härte diese Frau, die erst in der Verzweiflung nach einer Serie von kleineren und größeren Unglücken emotional aufbricht. Unterdessen müht sich im Tal der Sohn um die Gunst der schönen ungarischen Kantinenmitarbeiterin, leidet unter den polternden Kollegen, verliert einen Freund und immer mehr auch die Hoffnung. "Die Einsiedler" wirkt zunächst naturalistisch, doch die Tristesse ist letztlich pittoresk und sentimental. Und so glaubwürdig Ingrid Burkhard und Andreas Lust miteinander agieren, im Sprachklang bleibt die Wiener Herkunft der beiden unverkennbar, das gemäßigte Südtirolerisch funktioniert nur bedingt. Dennoch ist Trockers Film ein bemerkenswerter Blick in eine aussterbende Parallelwelt.

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