Kunst

Georgia O'Keeffe-Retrospektive ab Mittwoch im Kunstforum

"The big american thing" ist sie, eine Ikone des großen amerikanischen Jahrhunderts: Georgia O'Keeffe, Malerin, Muse, Einsiedlerin und prägende Figur sämtlicher Strömungen der amerikanischen Moderne, hat sich in ihrem langen produktiven Leben immer wieder neu erfunden - und dabei stets ihre Unabhängigkeit bewahrt. Im Kunstforum ist ab Mittwoch eine seltene Retrospektive zu sehen.

Mit den Nacktfotos aus der Kamera ihres Mannes und Förderers Alfred Stieglitz wurde O'Keeffe zur öffentlichen Person der 1920er Jahre, die Kreation der schillernden Künstlerpersönlichkeit, Symbol für die weibliche, authentische Malerei Amerikas, ging zum Teil ebenfalls auf das Konto ihres einflussreichen Gatten. Eine Kreation, gegen die O'Keeffe aufzubegehren, die sie aber auch zu pflegen und zu Geld zu machen wusste. "Die weibliche Sexualität war über Jahrzehnte wie ein Deckmantel, unter dem sie arbeitete", so Kuratorin Heike Eipeldauer beim APA-Rundgang.

Die Ausstellung entstand gemeinsam mit der Tate Modern, was auch die Leihgaben aus den weit verstreuten Sammlungen amerikanischer Museen erst möglich machte. Denn O'Keeffe ist teuer. 44,5 Millionen Dollar kostete eines ihrer Blumenstillleben, die mit ihrer Versöhnung von Abstraktion und fotografischen Close-Up geradezu ikonischen Charakter bekommen haben. Auch die New York-Nachtansichten und natürlich ihre Malereien aus dem amerikanischen Südwesten, die Hinwendung zur unendlichen Landschaft New Mexicos, gehören zu den Säulen, auf denen die amerikanische Kunst seit der Moderne steht.

Den abstrakten Expressionismus nahm sie dabei ebenso vorweg, wie den Minimalismus und die Pop Art - in O'Keeffes Werk keine Widersprüche. Sie sei überrascht, dass viele Leute das Gegenständliche und das Abstrakte trennen, sagte sie. Gegenständliche Malerei könne nur in einem abstrakten Sinne gut sein, Abstraktion dagegen sei die eindeutigste Form überhaupt. In ihren Bildern - wiewohl sie in den unterschiedlichen Werkphasen drastische Wechsel der Motive vollzog - "herrscht eine ganz eindeutige, ganz selbstständige Handschrift", zeigte sich Kunstforum-Chefin Ingried Brugger fasziniert.

Erfolg hatte O'Keeffe rasch, zählte zu den wichtigsten Figuren der New Yorker Szene, zog sich ab den 1930er Jahren allerdings jeweils für ein halbes Jahr - und nach dem Tod Stieglitz' das ganze Jahr - nach New Mexico auf eine weitläufige, einsame Ranch zurück und malte die farb- und formgewaltige Landschaft mit dem selben, scharf gestellten Ineinander von Intimität und Nähe sowie Monumentalität und Unendlichkeit, mit dem sie sich auch den Blumen, den Himmelslandschaften beim Blick aus dem Flugzeug oder den Gebäuden der New Yorker Skyline gewidmet hatte.

99 Jahre wurde sie alt, den Mythos der schroffen Einsiedlerin nährte sie bis zuletzt. Vom Feminismus wollte sie sich genauso wenig vereinnahmen lassen wie früher von der erotisierenden Weiblichkeit, mit der ihrer Kunst begegnet wurde. Und so sehr ihre Rezeption beispielhaft ist für die einer weiblichen Künstlerin des vergangenen Jahrhunderts, so nüchtern wie selbstbewusst machte sie sich selbst davon los: "Männer tun mich gerne ab als beste weibliche Malerin. Ich glaube aber, ich bin einer der besten Maler überhaupt."

Quelle: APA

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