Kunst

Gesteigerte Auslastung bei 54. Viennale

Mit dem tanzenden Leinwandpaar Ryan Gosling und Emma Stone im Abschlussfilm "La La Land" und einem seligen Festivaldirektor endet heute, Mittwoch, Abend die 54. Viennale. Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Festival die Auslastung von 76,4 Prozent auf 82,3 Prozent und die Zahl der ausverkauften Vorstellungen von 123 auf 154 steigern. Die Wiener Filmpreise gehen an Barbara Eder und Sigmund Steiner.

Gesteigerte Auslastung bei 54. Viennale SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Hans Hurch ist noch bis 2018 im Amt des Viennale-Direktors.

Mit 92.300 Besuchern im Vergleich zu 94.100 im Vorjahr gingen die absoluten Besucherzahlen zwar leicht zurück. Vonseiten des Festivals freut man sich dennoch über einen "außergewöhnlich schönen Erfolg", wurden aufgrund der Kürzung eines Spieltages und der Frühschiene im Gartenbaukino doch 8.000 Karten weniger ausgelegt. "Das diesjährige Festival war für mich zu meinem 20-jährigen Jubiläum ein ganz besonderes Geschenk", wird der noch bis 2018 amtierende Langzeitdirektor Hans Hurch in einer Aussendung zitiert. "Ich weiß nicht, wem wir das verdanken, aber selten wurde eine Viennale sowohl vom Kinopublikum als auch von der internationalen Kritik durchgehend so positiv und teilweise begeistert angenommen."

Von den diesjährigen Spezialprogrammen seien vor allem das Tribute an den verstorbenen US-Avantgardisten Peter Hutton, das "Mini-Tribute" an Eröffnungsgast Kenneth Lonergan sowie die Filmarchiv-Retrospektive zum Filmemigranten Robert Land gut angekommen. Die zweite große Retrospektive des Festivals, die mit dem Filmmuseum gestaltete Reihe "Ein zweites Leben - Thema und Variation im Film", kommt hochgerechnet auf die Gesamtlänge des Programms wie 2015 auf rund 5.400 Besucher und läuft noch bis 30. November. Hervorgehoben wird die "hohe Anzahl an wichtigen internationalen" Künstlern - von Patti Smith, die zu Allerheiligen im ausverkauften Gartenbaukino begeisterte, über Terence Davies, Luc Dardenne und Olivier Assayas bis zu Grusel-Altmeister John Carpenter, der heute Abend parallel zur Abschlussgala zu einer Sondervorführung von "They Live" ins Stadtkino im Künstlerhaus lädt.

Im Gartenbaukino kommen Besucher zwei Monate vor regulärem Kinostart in den Genuss der US-Produktion "La La Land", Damien Chazelles Hommage an das alte Hollywood. Dem heißen Oscar-Anwärter wird die Preisvergabe vorangestellt, richtet die Viennale doch traditionell keinen Wettbewerb aus, ehrt aber am Ende u.a. die besten österreichischen Filme des vergangenen Jahres. Über den Wiener Filmpreis für den besten Spielfilm darf sich Regisseurin Barbara Eder freuen, die in ihrem Thriller "Thank You For Bombing" episodenhaft die Geschichte dreier Kriegsreporter erzählt. Der Film werfe vor allem "medien- und gesellschaftsanalytische Fragen auf" und trage zur Reflexion über die Unterscheidung zwischen echter Information und "propagandistischer Desinformation" bei, heißt es in der Jurybegründung.

Zum besten Dokumentarfilm wurde - wie auch schon bei der diesjährigen Diagonale - "Holz Erde Fleisch" gekürt. In der Landwirtschaftsdoku nähert sich der steirische Regisseur und Bauernsohn Sigmund Steiner dem Verhältnis zwischen Alt- und Jungbauern an. "Dabei gibt er einen sensiblen Einblick in ihre Gedankenwelt, schafft eine Metaebene des Vater-Sohn-Konflikts, der sich als roter Faden durch den Film zieht", urteilt die Jury. Der Steirer erhält ebenso wie Eder 11.000 Euro an Geld- und Sachpreisen.

Je ein Monat Aufenthalt in New York wird dem Regie-Duo Tizza Covi und Rainer Frimmel sowie der Dokumentarfilmerin Katharina Copony ermöglicht: Sie erhielten für ihre Produktionen "Mister Universo" respektive "Moghen Paris - und sie ziehen mit" den Mehrwert-Filmpreis der Erste Bank. Komplettiert wird die Riege an Preisträgern von zwei Filmemachern mit iranischen Wurzeln: Der in den Niederlanden lebende Kaweh Modiri erhält für seine Doku-Fiktion "Bodkin Ras" den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik für den besten Erst- oder Zweitfilm im Festivalprogramm und der Wahl-Londoner Babak Anvari für seinen Horrorstreifen "Under The Shadow" den "Standard"-Publikumspreis. Damit empfiehlt die Jury ein Werk, das noch keinen Verleih in Österreich hat.

Quelle: APA

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