Kunst

Grafenegg: Romantik mit Gergiev und dem Mariinsky Orchester

Russische Romantik im Grafenegger Wolkenturm: Tschaikowskys Violinkonzert und die sechste Symphonie mit Valery Gergiev und seinem Mariinsky Orchester St. Petersburg haben am Samstagabend einen außergewöhnlichen Konzertgenuss beschert. Als Solistin beeindruckte Clara-Jumi Kang. 

Für manche Klassikliebhaber stellt Tschaikowsky nach wie vor den Inbegriff kitschiger Sentimentalität dar. Genau diesem Klischee wirkt Gergievs Interpretation entgegen: Er meidet heroisches Pathos und triefendes Schmalz und meisselt statt dessen punktgenau die Faktur der Kompositionen hervor, und das bis ins kleinste Detail ausgetüftelt. Das belässt den Werken nicht nur ihre emotionale Intensität, sondern verstärkt sie sogar in höchst überzeugender Weise. 

Eher verhalten beginnt denn auch das Violinkonzert, doch bald merkt man, dass hier mit dynamischen und vor allem klanglichen Schattierungen statt mit vordergründigen Effekten gearbeitet wird. Die junge Geigerin, Jahrgang 1987, kann auf den Wunderkind-Bonus längst verzichten und wartet mit allen instrumentalen Qualitäten auf, die man sich nur wünschen kann. Berückend schön beginnt die Canzonetta, kantabel und zugleich technisch sprühend bleibt auch das Finale: Da ist noch sehr viel Erfreuliches zu erhoffen. 

Die Sechste nach der Pause war schlichtweg ein Erlebnis. Gergiev ist ein wahrer Orchestermagier, winkt und flattert, tanzt und bebt, wirkt dabei dennoch geradezu gelassen, gestaltet in stets bestechender Präzision Spannungsaufbau und -abbau sowie differenzierte Farbigkeit und bildet mit seinen Musikern eine sichtliche wie hörbare Einheit. Nach dem letzten Takt zeugte langes, langes Schweigen von Ergriffenheit im Publikum. Dann aber frenetischer Beifall.

Quelle: APA

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