Kunst

"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund

Manuel Rubey steht in der Verfilmung von "Gruber geht" vor dem Nichts.

Ein Naserl Koks, ein paar goscherte Bemerkungen, noch ein Energydrink, und dann eine hingeschluderte Präsentation vor dem Kunden: Normalerweise kommt der Gruber (Manuel Rubey) damit sehr leicht durch. Aber Johannes Gruber geht's derzeit nicht so gut. In "Gruber geht", nach dem erfolgreichen Roman der Journalistin Doris Knecht, spielt Rubey einen oberflächlichen Werbeheini mit Dachterrassenwohnung und fragwürdigen Lebensgewohnheiten, der sich total international "John" nennt und zu seinem Sportwagen ein innigeres Verhältnis pflegt als zu Mutter, Schwester (Doris Schretzmayer) und deren spießiger Familie: ein zynischer Egozentriker, der seinen Egotrip mangels bequemer Alternativen so richtig genießt.

Nur schade, dass der Körper neuerdings nicht so richtig mitmacht: Im Fitnessstudio am Laufband zusammenbrechen schaut blöd aus vor den Konkurrenten. Und schade auch, dass Gruber ein paar Tage später bei der Projektpräsentation in Zürich die Schweizer Kunden dann doch nicht mit seinem schlamperten Wiener Schmäh beeindrucken kann. Immerhin geht die fesche Berliner DJane Sarah (Bernadette Heerwagen), die ihm schon im Flugzeug gefallen hat, mit ihm ins Bett. Und mit ihr ist es auch anders als sonst, unkompliziert, natürlich, lustig. Aber nicht einmal das lenkt ihn davon ab, dass in seiner Tasche ein schon reichlich zerknitterter, bedrohlicher Brief steckt, den er erst nicht zu lesen wagt. Es ist ein Schreiben von Grubers Arzt, er möge sich sehr bald im Krankenhaus melden. Und dort erfährt Gruber dann, dass er Krebs hat. Wenn einer schwer krank wird, der das Leben nicht zu schätzen weiß - was passiert dann?

"Gruber geht" ist der zweite abendfüllende Spielfilm der Regisseurin Marie Kreutzer (nach "Die Vaterlosen"). Erneut hat Kreutzer das Drehbuch selbst geschrieben: Gelungen ist ihr ein kluges Großstadtdrama mit pointierten Dialogen um einen zwideren Schnösel, der in scheinbar aussichtsloser Situation die Liebe zum Leben entdeckt, witzig, knochentrocken und zugleich sehr romantisch.

Film: Gruber geht. Romanverfilmung, Österreich 2014. Regie: Marie Kreutzer. Mit Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen, Doris Schretzmayer. Start: 30. 1.



(SN)

"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund SN/thirmfilm
Manuel Rubey in „Gruber geht“.
"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund SN/thirmfilm
Manuel Rubey in „Gruber geht“.
"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund SN/thirmfilm
Manuel Rubey in „Gruber geht“.
"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund SN/thirmfilm
Manuel Rubey in „Gruber geht“.
"Gruber geht": Auf der Reise in Richtung Abgrund SN/thirmfilm
Manuel Rubey in „Gruber geht“.

Aufgerufen am 25.02.2018 um 08:42 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/gruber-geht-auf-der-reise-in-richtung-abgrund-2790109

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