Kunst

Günter Brus: Märchenhaftes vom einstigen Bürgerschreck

Vom Kinderzimmer ins Museum: Die Ausstellung "Schneckenhaus und Glitzerstein" zeigt eine weitgehend unbekannte Facette des international bekannten Aktionisten.

Er zählt zu den radikalsten Vertretern des Wiener Aktionismus. Er wurde in dem 1970-er Jahren wegen "Herabwürdigung der österreichischen Staatssymbole verurteilt und flüchtete nach West-Berlin um der Haftstrafe zu entgehen. Der 77-jährige Günter Brus ging in seiner Kunst stets an die Grenzen, schonte weder sich selbst noch sein Publikum. Eine gänzlich andere Facette des Künstlers ist in der Ausstellung "Schneckenhaus und Glitzerstein" zu sehen, die am Donnerstag im Bruseum im Grazer Universalmuseum Joanneum eröffnet wird. Der Untertitel der Schau gibt die Richtung vor: "Märchenhaftes und Kinderleichtes von Günter Brus". Zu sehen sind unter anderem Bücher, Bilder und Spiele, die Günter Brus sowie einige andere Künstlerinnen und Künstler (u.a. Günther Förg, Asger Jorn, Reinhard Mucha und Rosemarie Trockel) als Eltern oder Verwandte speziell für Kinder geschaffen haben.

Die Welt wieder mit den Augen der Kinder sehen

"Das Ostseemännlein. Ein Märchen aus Angeln": Unter diesem Titel hat Günter Brus zwölf fantasievoll und lieblich gestaltete Zeichnungen bereits 1976 mit Wasserfarben geschaffen. Etliche der ausgestellten Arbeiten hat der weltbekannte Aktionist speziell für seine Tochter Diana angefertigt, sie hingen einst auch im Kinderzimmer.

"Der Beginn der Moderne geht Hand in Hand mit der Forderung, die Welt wieder mit den Augen der Kinder zu sehen und sie vor allem auch mit der Unverbildetheit der Kinder darzustellen", sagt Roman Grabner, der Kurator der Ausstellung. Und:

Von Pablo Picasso über Paul Klee bis hin zu Jean Dubuffet und den Mitgliedern der COBRA-Gruppe hätten Künstler wesentliche Anregungen und wichtige Impuls aus den kreativen Weltaneignungen der Kinder erhalten.

Viele Arbeiten haben einen familiären Charakter

Viele Bilder und Objekte der im Grazer Bruseum haben einen sehr familiären Charakter und waren nie für die Präsentation in einem Kunst-Kontext intendiert. Zu sehen ist zum Beispiel das kleinste Kreuzworträtsel der Welt, es besteht nur aus einem Kästchen. Das Vermittlungsteam des Universalmuseums Joanneum und "die organisation" haben versucht, eine interaktive, niederschwellige Schau zu gestalten, die speziell für Kinder konzipiert wird und sowohl Kunstpräsentation als auch Erlebniswelt ist.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.09.2018 um 02:57 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/guenter-brus-maerchenhaftes-vom-einstigen-buergerschreck-1083904

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