Kunst

Hartmann und Servus TV verfilmen die "Räuber"

Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann feiert Anfang September sein Theater-Comeback in Österreich.

Hartmann und Servus TV verfilmen die "Räuber" SN/APA/BARBARA GINDL
Ex-Burgtheater-Chef Hartmann bei den Proben.

Am Salzburger Landestheater inszeniert Hartmann gemeinsam mit Dietrich Mateschitz' Fernsehsender Servus TV "Die Räuber" als theatralisches Filmprojekt. Schillers Theater-Klassiker wird dabei auf der Bühne in Echtzeit zum TV-Drama. Hartmanns "Räuber" sind multimedial.

Die Schauspieler - in den Hauptrollen spielen Laurence Rupp und Emanuel Fellmer als Karl und Franz Moor sowie Friedrich von Thun als alter Moor, Tobias Moretti als Pater und Harald Serafin als Daniel - führen das Stück vor Kameras auf. Hinzu kommen filmische und technische Effekte und ein musikalischer Soundtrack des deutsch-iranischen Komponisten Parviz Mir-Ali, mit dem Hartmann schon bei früheren Produktionen zusammen gearbeitet hatte. Das Theaterpublikum kann zum einen den Dreh auf der Bühne mitverfolgen und auf einer Leinwand über der Bühne gleichzeitig die filmische Umsetzung des TV-Dramas in Echtzeit verfolgen.

Drei Kameraleute drehen mit acht Kameras. Unterlegt von heftiger Musik wird herumgeschossen und angebrannt, vernichtet und gemordet. "Es wird das erste Mal überhaupt sein, dass wir ein Live-Theaterstück so inszenieren als wäre es ein Spielfilm und es zugleich broadcasten", erklärt Hartmann im Interview mit der APA. "Wir stehen auf einer Bühne, aber das Spiel ist in erster Linie ein Filmspiel, eher für die Kamera als für die Zuschauer", umreißt Hauptdarsteller Rupp die Herausforderung für das Ensemble.

Schon lange geht Hartmann mit der Idee für das Projekt schwanger. Vor zwei Jahren ging es schließlich nach einer Vereinbarung mit Dietrich Mateschitz an die Umsetzung. "So kam ich zu Servus TV", erzählt Hartmann. Der Theatermacher fungierte nach seinem Rauswurf aus dem Burgtheater seit 2014 bei Servus TV zunächst als Programmdirektor, inzwischen ist er Kreativdirektor im Red Bull Media House. Derzeit führt und dirigiert Hartmann seine "Räuber" täglich durch die dunkle Räuberwald-Kulisse in der alten Turnhalle der Rainerkaserne in Elsbethen bei Salzburg, wo die Proben für das theatralische Filmprojekt laufen.

Die Ausgangslage kennen Generationen von Schülern aus der gelben Reclam-Reihe: Karl, der Erstgeborene, der geliebte Sohn, wird von Franz, der Canaille, beim Vater angeschwärzt. Enterbt und enttäuscht schließt er sich mit einigen jungen Wilden zu einer Räuberbande zusammen und zieht mordend und brandschatzend durch die Lande. "Diese Figur wird im Film interessant wie James Dean. Eine Figur, die trotzig ist, die stolz ist, mit der man Sympathie hat, obwohl er am Ende sein Mädchen umbringt und obwohl er den Pulverturm in die Luft jagt und damit Massenmord begeht. Und trotzdem hängt dein Herz an ihm", schwärmt Hartmann. "Am Ende steht Karl da und weiß, es war der falsche Weg, ein Wahnsinniger eigentlich", ergänzt Karl Moor-Darsteller Rupp.

Premiere von Schillers Sturm und Drang-Drama in der multimedialen Hartmann-Bearbeitung ist am 3. September am Salzburger Landestheater. Die zweite Vorstellung am 4. September überträgt Servus TV live im Hauptabendprogramm. Anfang Oktober ist das Stück beim Hamburger Theaterfestival im Deutschen Schauspielhaus zu sehen. Mit dem NDR gibt es derzeit Gespräche über eine Live-Übertragung. Und Hartmann kehrt mit den "Räubern" zurück nach Wien. Am 18. und 19. Oktober ist das Stück am Volkstheater zu sehen. "Ich habe pedantisch darauf bestanden, dass es das Volkstheater ist. Ich freue mich auf Wien", so Hartmann.

Nach seinem unfreiwilligen Abgang vom Burgtheater hat Hartmann wieder Tritt gefasst. Die Arbeit für Servus TV und Red Bull, Opern-Inszenierungen in Genf und Turin, eine Dostojewski-Inszenierung in Dresden und nun das "Räuber"-Projekt. "Ich bin dankbar, dass man mir diese Möglichkeiten gibt, und es fühlt sich an wie mein Leben, das ich seit 30 Jahren gelebt habe."

Punkto Burgtheater gebe es "im Moment jenseits von persönlichen Enttäuschungen und menschlichen Desastern in dieser ganzen traurigen Geschichte eine Phase, in der im Hintergrund alle Fragen juristisch geklärt werden. Und dafür brauchen wir jetzt Ruhe und keine mediale Begleitung."

Die ehemalige kaufmännische Burg-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky soll Bilanzen gefälscht und Steuern hinterzogen haben, Hartmann hätte sie nicht genügend überwacht, so der Vorwurf damals. Ein inzwischen erstelltes Gutachten belastet Stantejsky, Hartmann nicht. Seine Rehabilitierung sei "im Prinzip schon erfolgt. Jeder weiß ja in Wahrheit, was los ist." Der frühere Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) habe "aus populären Gründen einfach versucht hat, einen Buhmann zu finden".

Quelle: APA

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