Kunst

"Hin und weg": Radeln bis ans bittere Ende

Im Film "Hin und weg" beschließt Florian David Fitz zu sterben. Die Tragikomödie läuft ab Freitag in den heimischen Kinos.

Noch vor Kurzem schütteten sich Prominente und Niemande Kübel mit Eiswasser über den Kopf. Mit der Ice Bucket Challenge wollte man aktionistisch auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam machen - bis der Trend alle nervte und herauskam, dass die profitierende Organisation nur einen Bruchteil der Spendengelder auch an die Forschung weiterleitet.Eine Radtour in BelgienNun kommt mit "Hin und Weg" ein Film ins Kino, in dem die Krankheit erneut Thema ist: Hannes (Florian David Fitz) will mit seiner Frau (Julia Koschitz) und seinen Freunden wie jedes Jahr eine Radtour unternehmen, diesmal nach Belgien. "Da gibt's doch nur Fritten und Schokolade", meckern die Freunde wegen des langweiligen Ziels. Doch Hannes hat einen Grund: Er hat ALS. Er hat das fürchterliche Leiden bei seinem Vater bis zu dessen hilflosem Erstickungstod miterlebt, und er will selbst entscheiden, wann er geht. Es ist also seine letzte Reise, wie er den Freunden unterwegs eröffnet.

"Hin und Weg" ist ein Film über Freundschaft und lotet die Beziehungen innerhalb der Gruppe (darunter Jürgen Vogel) warmherzig und mit Witz aus. Zugleich will er aber auch ein Film über Sterbehilfe sein, über die autonome Entscheidung eines unheilbar erkrankten Menschen, sein Leben unter eigenen Bedingungen zu beenden. Doch unter der Regie von Christian Zübert gerät das gefährlich in die Nähe von wohligem Kitsch.Ein "Feel-good-Sterbehilfe-Film"?So muss sich "Hin und Weg" schon auch den Vorwurf gefallen lassen, ein Feel-good-Sterbehilfe-Film zu sein. Dass es auch anders, verantwortungsbewusster geht, hat vor einigen Monaten der Film "Und morgen Mittag bin ich tot" demonstriert, in dem ein Mädchen Sterbehilfe in der Schweiz sucht. Und berührend und anspruchsvoll ist Julian Schnabels fantastischer "Schmetterling und Taucherglocke" über den Locked-in-Patienten Jean-Dominique Bauby. Immerhin ist Florian David Fitz beim Leiden außerordentlich fotogen.

Hin und weg. Tragikomödie, Deutschland 2014. Regie: Christian Zübert. Mit Florian David Fitz, Julia Koschitz, Jürgen Vogel. Start: 24. 10.

Quelle: SN

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