Kunst

Homoerotische Spielerei: "Armide"-Premiere in der Staatsoper

Hass ist Liebe, Rost ist Gold, Mann ist Frau: Bei der ersten Premiere der Saison mit Christoph Willibald Glucks "Armide" hat man in der Wiener Staatsoper am Sonntag die Gegensätze wettstreiten und verschmelzen lassen. Ivan Alexandre deutete die Oper ideenreich, aber oberflächlich, als homoerotische Fabel, Marc Minkowski ließ seine Musiciens du Louvre mit konzisem Glanz aufspielen.

Homoerotische Spielerei: "Armide"-Premiere in der Staatsoper SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Premiere in der Wiener Staatsoper.

Bei ihrem Debüt am Haus führte Gaelle Arquez mit solidem, stellenweise betörenden Sopran ein durchwachsenes Ensemble an. Neben den Sängern wird die intelligent konstruierte aber durchwegs unterbeleuchtete Einheitsbühne, die aus rostigen Metallgittern sowie schimmernden Goldelementen zwischen Kriegsschauplatz und erotischen Gefilden changiert, vor allem von Balletttänzern beturnt. Ein ganzer Harem von jungen Männern, die sich zu Verführungszwecken als Frauen kleiden - wie Armide selbst.

Der Transgender-Gedanke bleibt aber eine ästhetische Spielerei, die zu den existenziellen Momenten der Oper letztlich nichts beizusteuern hat. Alexandre musste dafür neben manchem Bravo auch einige lautstarke Buh-Rufe entgegennehmen. Einhelligen Jubel gab es für Minkowski und sein Gastorchester im Graben, das Glucks spätbarockes Meisterwerk versiert in die Staatsopernakustik einpasste.

Quelle: APA

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