Kunst

Im "Hotel Mama" wohnt nicht nur Geborgenheit

Im "Hotel Mama" wohnt nicht nur Geborgenheit SN/alamode film
Alexandra Lamy und Josiane Balasko.

Gelegentlich geht alles schief. Architektin Stéphanie (Alexandra Lamy) hat für ihre Firma gebürgt, der einzige große Auftraggeber ist pleite gegangen, und als einzige Bürgin steht sie jetzt auf der Straße, genauer: Mangels Alternativen muss sie wieder bei ihrer Mutter einziehen. "Willkommen im Hotel Mama" heißt der Film, der von Stéphanies Kampf um Selbstbestimmung erzählt, gegen die Schrullen einer scrabblesüchtigen Mutter, die ihre Wohnung überheizt und groß geblümtes Dekor bevorzugt. Vor allem schildert die Tragikomödie unter der Regie von Eric Lavaine, wie Tochter und Mutter sich von einander abzugrenzen versuchen, von lieb gemeinten Missverständnissen: Stéphanie meint, im scheinbar erratischen Verhalten ihrer Mutter (Josiane Balasko) eine beginnende Demenz zu erkennen, und berät sich mit ihren Geschwistern, wie die Mutter zum Besuch eines Neurologen zu bewegen wäre. Doch in Wirklichkeit kann Mama ihre g'schaftige Tochter nicht brauchen, und sie bemüht sich nur, ihre seit Jahren bestehende zärtliche Affäre mit dem Nachbarn aus dem vierten Stock geheim zu halten. Denn sie ahnt, dass ihre Kinder wesentlich konservativer sind, als sie das vor sich selbst zugeben möchten: "Willkommen im Hotel Mama" handelt von unausgesprochenen Dingen, die jede Familie prägen, von Eifersucht unter Geschwistern, von der unaussprechlichen Sexualität der Elterngeneration, vom Erwachsenwerden und von spätem Begehren. Eine warmherzige, fröhliche Erkundung des Minenfelds zwischen Müttern und Töchtern, die zwar seicht bleibt, aber nicht groß danebengeht.

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