Kunst

ImPulsTanz-Festival endet am Sonntag

Es wurde wieder getanzt. Nach 140 Vorstellungen und 44.000 Workshop-Einheiten geht das heurige ImPulsTanz-Festival am kommenden Sonntag zu Ende. Zu Musik und zu Bildern wurde getanzt, von Profis und von Amateuren, im Kostüm und splitternackt, bei Tag und bei Nacht. Zu einer "quälend frühen Stunde", begrüßte Festivalleiter Karl Regensburger heute, Donnerstag, Vormittag zur Abschlusspressekonferenz.

ImPulsTanz-Festival endet am Sonntag SN/APA/EMILIA MILOWSKA
140 Vorstellungen und 44.000 Workshop-Einheiten gab es heuer.

Vier Wochen, die den Intendanten viel Schlaf gekostet haben: Es ist der Mix aus den großen Namen des internationalen Tanzschaffens - ihre neuen Kreationen präsentierten Fixstarter wie Anne Teresa de Keersmaeker, Wim Vandekeybus, Marie Chouinard oder Ismael Ivo -, einem starken Fokus auf dem Nachwuchs und den Vertretern der heimischen Szene sowie dem Anspruch, nicht nur die zahlreich anreisenden Tänzer und Tanzstudenten aus aller Welt anzulocken, sondern auch interessierte Anfänger in den Workshops auf die Beine zu bringen, der Wien jedes Jahr im Sommer zur Hauptstadt des zeitgenössischen Tanzes macht.

Um sich greift das Festival unter anderem, indem es mit zahlreichen Partnerschaften auch "verschiedene Institutionen auf großartige Weise kannibalisiert", wie es Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger bezeichnete, in dessen Haus mehr als 30 Performances aus der "Visual Art x Dance" Reihe stattgefunden haben. Auch im mumok wurde zu und mit Kunst getanzt, mit dem Höhepunkt der Freiluftperformance von Peaches und Keith Hennessy im MQ-Haupthof. Museumsdirektorin Karola Kraus hofft, dass "unsere Liaison möglichst lange anhält", sie selbst sei mittlerweile vom Festival "wie von einem Fieber" erfasst worden.

Die Idee zur Begegnung von Bildender Kunst und Choreografie habe anfangs zu einer gewissen Unsicherheit geführt, gestand Rio Rutziger, Leiter der Reihe sowie des ganzen Workshopprogramms. Für die einzelnen Künstler aus beiden Bereichen, die für gemeinsame Workshops zusammengewürfelt wurden, ergaben sich allerdings höchst fruchtbare Perspektivenwechsel. "Meine Praxis hat sich um circa fünf bis sieben Grad gedreht", erzählte Jennifer Lacey. "Das ist einfach wunderbar! Man kommt nicht eine Opposition, aber die gewohnten Zugänge werden ein kleines bisschen verrutscht."

Mit 80.000 zahlenden Besuchern, weiteren 46.500 bei freiem Eintritt und 7.200 Workshopbuchungen hat das Festival heuer eine Auslastung von 98,1 Prozent erreicht. Das Gesamtbudget von 5,5 Millionen Euro setzt sich neben Förderungen aus Stadt, Bund und EU auch aus Einnahmen von rund 1,35 Millionen Euro an den Theaterkassen zusammen. Er sei bekannt dafür, an niedrigen Budgets zu mäkeln, so Regensburger, und er tue es gern. Ja, wir alle seien gefordert "unsere Stimme zu erheben", wenn die "gesellschaftlichen Fundamente ins Rutschen geraten". Eine "Politik der Angst", die massiv in Militär oder Bankenrettung investiere, verschätze sich. "Denn wir werden nicht mit Pfeffersprays und Rauchpistolen unser Land sichern, sondern wenn wir in Kunst und Bildung investieren."

Am Sonntag steht noch die Vergabe des Prix Jardin'Europe sowie des FM4 Fan Award an den choreografischen Nachwuchs an, der sich auch heuer wieder in der Reihe 8:tension präsentierte. Die Zeremonie im Kasino am Schwarzenbergplatz wird von Clara Furey und Dirk Stermann moderiert, die heurige Skulptur gestaltete Künstler Markus Schinwald. Am letzten Abend gibt es auch noch ein vielstimmiges "Goodbye" von Michikazu Matsune im Wiener Schauspielhaus: "Mein Stück basiert auf Abschiedsbriefen von bekannten und von nicht-bekannten Menschen", erklärte er: "Ich lese sie. Und ich tanze sie."

Quelle: APA

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