Kunst

Innsbrucker Festwochen in ihre 40. Auflage gestartet

Die Innsbrucker Festwochen sind Freitagabend mit Domenico Cimarosas "Il matrimonio segreto" in ihre 40. Auflage gestartet - und das furios. "Die heimliche Ehe" wurde kurzerhand in einen überdimensionalen Hühnerstall platziert, indem das adelige Liebeswerben auf höchst amüsante Weise seinen Lauf nimmt. Am Ende blieb einem ob des Dargebotenen nichts anderes übrig, als freudig mitzugackern.

Innsbrucker Festwochen in ihre 40. Auflage gestartet SN/APA (FESTWOCHEN DER ALTEN MUSIK)
Auftakt mit "Il matrimonio segreto".

Das für Regie sowie Bühnen- und Kostümbild verantwortliche Duo, Renaud Doucet und André Barbe, verortet die Opera buffa überaus stimmig im Hühnerstall. Das Bühnenbild mitsamt Legenestern, Tränke und Hühnertreppen erinnert dabei an eine Illustration von Wilhelm Busch. Und die detailreich und liebevoll gestalteten Kostüme geben den adeligen Gockeln und Hennen glaubhaft barocken Pomp. Daher ist nur folgerichtig, dass auch schauspielerisch - dem Federvieh getreu - wahlweise gescharrt, mit dem Kamm oder den Schwanzfedern gewackelt, ein Ei gelegt, geplustert oder gockelhaft stolziert wird.

Am Anfang der Liebeswirren steht der Gockel, Pardon, Kaufmann Geronimo (Donato di Stefano), der seine ältere Tochter Elisetta (Klara Ek) mit dem Grafen Robinson (Renato Girolami) vermählen möchte, um den angestrebten gesellschaftlichen Aufstieg endlich in trockene Tücher zu bekommen. Wie das Hühnerleben aber so spielt, verliebt sich Robinson jedoch in die jüngere Tochter Carolina (Giulia Semenzato), die sich wiederum bereits klammheimlich mit dem Buchhalter Paolino (Jesús Álvarez) liiert hat. Und zu allem Überdruss ist da noch die Schwester des Kaufmanns, Fidalma (Loriana Castellano), die ein Auge auf Paolino geworfen hat. Klingt kompliziert? Ist es auch!

Die komödiantischen Fixsterne im über dreieinhalbstündigen unterhaltsamen Treiben bildeten der Bariton Girolami und der Bass Stefano. Das Duo geizte zur durchgehend wunderbaren sängerischen Leistung ganz und gar nicht mit schauspielerischem Slapstick. Ebenso grandios waren die Leistungen der weiblichen Darstellerinnen. Besonders die beiden Soprane Semenzato und Ek glänzten mit ihrem schwesterlichen Gezänk. Castellano als gouvernantenhafte Tante und Álvarez als Paolino standen dem um nichts nach - alles in allem eine grandiose Leistung des Ensembles. Zudem lieferte Dirigent Alessandro De Marchi mit der Academia Montis Regalis einen farbigen und tragenden Orchesterklang auf Originalinstrumenten.

Daher war es am Ende auch keine große Überraschung, dass sich das Premierenpublikum mit minutenlangem Applaus, Begeisterungsrufen und stehenden Ovationen bedankte. Und - wenn man genau hinhörte - vernahm man hie und da ein freudiges Gegacker.

Quelle: APA

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