Kunst

John Carpenter bringt seine Sounds nach Wien

John Carpenter kitzelt seit den 70er-Jahren mit seinen Low-Budget-Filmen die Nerven des Publikums. Wesentlichen Anteil am wohltuenden Schauer, den Klassiker wie "Halloween", "The Fog" oder "Die Klapperschlange" verbreiten, hat die vom Regisseur selbst komponierte und eingespielte elektronische Musik. Diese stellt der mittlerweile 68-Jährige am 3. November in der Wiener Stadthalle F live vor.

John Carpenter bringt seine Sounds nach Wien SN/ap
John Carpenter.

"Das wird eine Retrospektive meiner Karriere", sagte der Filmemacher im Gespräch mit der APA. "Soundtracks machen rund 70 Prozent der Show aus. Viele Stücke werden die Leute natürlich sofort wiedererkennen." Die restlichen 30 Prozent des Programms würden sich aus Material von den "Lost Themes"-Alben zusammensetzen. "Dazu gibt es Visuals. Natürlich sind dabei auch Ausschnitte aus meinen Filmen zu sehen."

Carpenters Soundtracks sind legendär. Seit seinem Regie-Debüt "Dark Star" setzt er stark auf Synthesizer. Das Thema von "Assault - Anschlag bei Nacht" hatte es seinerzeit sogar in die Disco geschafft. In den vergangenen Jahren wurden die Kult-Soundtracks neu aufgelegt, Carpenter bekam endlich auch gebührende Anerkennung als Musiker und Komponist. Auf "Lost Themes" und "Lost Themes 2" veröffentlichte er 2015 bzw. 2016 erstmals Songs, die nicht von seinen Leinwandarbeiten stammen.

"Das Material auf diesen beiden Alben ist komplett neu", betonte Carpenter. "Diese Musik habe ich für das Kopfkino komponiert. Man kann dazu seiner Fantasie freien Lauf lassen, man fühlt sich beim Anhören wie in einem Film." Dieses Gefühl soll das Publikum auch bei den Live-Shows haben, aber neben viel Atmosphäre auch "Erdiges" geboten bekommen: "Wir rocken sehr hart, wir sind Rock and Roll", lachte der Amerikaner.

"Wir", das sind Carpenter und seine sechsköpfige Band, der auch sein Sohn Cody und sein Patenkind Daniel Davies angehören. "Die Rhythmussektion kommt von der Gruppe Tenacious D", erzählte Carpenter, der die Möglichkeit, Elektronik mit Rock auf der Bühne zu kombinieren, ganz "wunderbar" und "fantastisch" findet. "Ich genieße das, gerade in meinem Alter."

Musik elektronisch und selbst zu seinen Filmen beizusteuern, sei einerseits aus einer budgetären Situation heraus notwendig gewesen. "Außerdem liebe ich elektronische Musik seit jungen Jahren", betonte Carpenter. "Der erste Film, der mich davon überzeugte, dass ich unbedingt Regisseur werden muss, war 'Forbidden Planet' von 1956. Der Soundtrack ist komplett elektronisch, kein Orchester. Das hat mich damals total gepackt und fasziniert."

Die Beatles haben Carpenter später zum Pop gebracht, für einige Zeit spielte er sogar in einer Rockband. Aber: "Ich wollte immer ins Filmgeschäft. Filme waren meine große und erste Liebe", schmunzelte er. "Ich musste herausfinden, ob ich auch Filme und Soundtracks machen kann. Daher habe ich mich für ein entsprechendes Studium entschieden."

Hatte der Kult-Regisseur die Musik eigentlich schon beim Schreiben des jeweiligen Films im Kopf? "Nein, meine Soundtracks sind alle Improvisation", antwortete Carpenter. "Erst wenn der Film fertig gedreht und geschnitten ist, kümmere ich mich um den Soundtrack, der das Drama verstärken soll." Sein Arbeitszimmer steht im Keller seines Hauses in Kalifornien, verriet Carpenter. "Ich habe dort alle meine Computer zum Musizieren aufgestellt."

Auf den europäischen Teil seiner Konzertreise freut sich der Meister des Grauens: "Das ist meine erste Tour und die Leute scheinen viel Spaß zu haben. Also: besser spät als nie..." In Wien wird man seinem Werk aber nicht nur im Konzert begegnen: Auch das Filmfestival Viennale widmet sich Carpenters Oeuvre und zeigt am 2. November ein Gala-Screening von "They Live" im Gartenbaukino.

Quelle: APA

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