Kunst

Jose Carreras startete "Final World Tour" in Graz

Es ist so eine Sache mit den Abschiedstourneen berühmter Künstler. Kaum war die "Final World Tour" von Jose Carreras zu Jahresbeginn angekündigt worden, köchelte die Gerüchteküche hoch, er könnte vielleicht doch noch einmal eine Opernrolle übernehmen. Am Samstag startete der katalanische Tenor, der im Dezember 70 Jahre alt wird, seine vorläufig letzte Auftrittsserie in Graz.

Jose Carreras startete "Final World Tour" in Graz SN/APA (dpa)/Ursula Düren
Der Katalane wird im Dezember 70 Jahre alt.

Das gut zweistündige Programm der als handverlesene Retrospektive angelegten Revue besticht durch eine wohltemperierte Mischung verschiedener Stile und Epochen der beiden vergangenen Jahrhunderte. Das reicht von Opernklassikern wie dem "Brindisi" aus Giuseppe Verdis "Traviata" oder der "Habanera" (gesungen von Carreras Gesangspartnerin Martina Zadro) über Lyrisches wie das feinfühlige, als Duett gesungene Erik-Satie-Chanson "Je te veux" bis zu - jedenfalls hierzulande - wenig bekannten Gustostückerln der neapoletanischen Volksmusik.

Dazu zählten "Era de Maggio" von Mario Pasquale Costa (1858-1933), "Passione" von Nicola Valente (1881-1946) und "Core N'grato" von Salvatore Cardillo (1874-1947). Bei letzterem, dargeboten als dritte Zugabe, mobilisierten Carreras und auch das slowenische RTV Symphonie-Orchester ungeahnte Kraftreserven und brachten die Grazer Stadthalle beim Applaus vollständig auf die Beine. Nach über zwei Stunden verabschiedete sich Carreras von den Grazer Fans mit dem von Andrew Lloyd Webber für die Olympischen Sommerspiele 1992 maßgeschneiderten "Amigos Para Siempre", das Carreras damals in der Originalversion mit Sarah Brightman sang.

Carreras, dessen Stimme altersgemäß gereift ist, steht meilenweit jenseits aller schulmeisterlichen Kritik. Allein seine zeitlebens eine Spur zerbrechlich wirkende Bühnenpräsenz und seine natürliche, in Stimme und Gestus manifestierte liebenswürdige Ausstrahlung sicherte ihm seit jeher die Herzen des Publikums.

Die teilweise auf der Grazer Kunstuniversität ausgebildete kroatische Sopranistin Martina Zadro, mit der sich Carreras auf der Bühne abwechselte, offenbarte ihre Stärken vor allem bei hochromantischen Glanzlichtern wie der Mondarie aus Antonin Dvoraks "Rusalka" oder "O mio babbino caro" aus dem Puccini-Einakter "Gianni Schicchi", während ihre "Habanera" aus Bizets "Carmen" auf ungewohnte Weise mitteleuropäisch-verhalten daherkam. Letzteres lag vielleicht auch an dem im übrigen durchwegs feingestimmt agierenden RTV Slovenia Symphonie Orchester unter der Leitung von Carreras' Neffen, David Gimenez.

Die Grazer Stadthalle, deren 5.000 Plätze nicht restlos belegt waren, erwies sich mit ihrer kühlen Hangar-Atmosphäre als der einzige Wermutstropfen dieses Abends. So manch einer oder eine aus dem Publikum fragte sich nach dem Konzert in der Tram, ob nicht vielleicht das Opernhaus der geeignetere Rahmen für ein derartiges Ausnahme-Ereignis gewesen wäre.

Carreras verweilte noch in der steirischen Hauptstadt, wo er sich am Sonntag in das Goldene Buch der Stadt Graz einschrieb. Damit gesellte er sich zu anderen Graz besuchenden Berühmtheiten wie Michail Gorbatschow, Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu und Udo Jürgens.

Die "Final World Tour" mit dem Untertitel "Jose Carreras - A Life In Music" macht noch zwei Mal Halt in Österreich: Zunächst kommenden Samstag (17. September) in der Olympiahalle in Innsbruck und - mit einigem Abstand - am 22. März 2017 im Konzerthaus in Wien.

Quelle: APA

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