Kunst

"Lady Macbeth" Favoritin des Filmfestivals in San Sebastian

Am Samstag wird beim 64. Internationalen Filmfestival von San Sebastian die Goldene Muschel vergeben. Einer der klaren Favoriten ist "Lady Macbeth" von Willam Oldroyd, angesiedelt im viktorianischen England 1865. Katherine erstickt nach ihrer Zwangsheirat mit einem fast doppelt so alten, herzlosen Mann in einer lieblosen Ehe und einer kalten, erzkonservativen und unterdrückenden Familie.

"Lady Macbeth" Favoritin des Filmfestivals in San Sebastian SN/APA (AFP)/ANDER GILLENEA
"Lady MacBeth": Darstellerinnen Naomi Ackie und Florence Pugh.

In ihrer Hoffnungslosigkeit stürzt sie sich in eine Affäre mit einem jungen Arbeiter auf dem Anwesen ihres Mannes. Wie in William Shakespeares Klassiker "Macbeth" geht aber auch Katherine (Florence Pugh) über Leichen, wird zur Tyrannin und Verbrecherin, um ihr eigenes Glück und ihre Freiheit zu finden - und scheitert. Oldroyds meisterhaft verfilmte Tragödie stach zweifelsohne unter den 17 Beiträgen hervor, die auf dem Filmfestival um die begehrte Goldene Muschel kämpfen. Doch es dürfte der Jury unter Vorsitz des dänischen Erfolgsregisseurs Bille August ("Das Geisterhaus") nicht leicht fallen, eine Entscheidung zu treffen.

Nachdem Hong Sang-soo im vergangenen Jahr den Goldenen Leoparden in Locarno gewann, beleuchtete der südkoreanische Filmemacher auch in San Sebastian mit seinem intimen, streckenweise lustigen Streifen "Yourself and yours" auf grandiose Weise das schwierige Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Auch Jonas Truebas "La Reconquista" (Die Rückeroberung), eine einfühlsame Verfilmung über die erste und vergangene Liebe, ist ein ernst zu nehmender Anwärter für den Preis.

Neben "La Reconquista" glänzten zwei weitere spanische Produktionen in der nordspanischen Küstenstadt. Alberto Rodriguez erzählt in "El hombre de las mil caras" (Smoke and Mirrors) auf mitreißende Weise die teils reale Geschichte des spanischen Spions Francisco Paesa nach, während Rodrigo Sorogoyen für seinen spannenden Krimi "Que Dios nos perdone" (Gott möge uns vergeben) ebenfalls großen Applaus erntete.

Unterdessen feierte der schottische Hollywoodstar Ewan McGregor am Freitag im offiziellen Wettbewerb mit "American Pastoral" (Amerikanisches Idyll) sein Regie-Debüt. Obwohl die Filmkritiker meinen, seine Adaptation komme nicht an den mit dem Pulitzerpreis prämierten Roman von Philip Roth heran, lieferte der Schauspieler aus Filmen wie "Trainspotting", "Moulin Rouge" oder "Star Wars" einen Festivalbeitrag ab, der durchaus zu den Favoriten um den Hauptpreis gezählt werden kann. "Ich habe das Glück gehabt, von vielen talentierten Regisseuren zu lernen", erklärte McGregor, der auch die Hauptrolle in seinem Film spielt, am Freitag in San Sebastian mit Blick auf Filmemacher wie Danny Boyle, Woody Allen und Roman Polanski. Die Geschichte spielte im Amerika der 60er-Jahren. Seymour Levov (Ewan McGregor), von allen nur "der Schwede" genannt, und seine Frau und Schönheitskönigin Dawn, gespielt von Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly, sind der Traum der perfekten, erfolgreichen amerikanischen Familie. Ein Druck, den Tochter Merry (Dakota Fanning) nicht erträgt und zur Terroristin macht.

Während McGregor weniger eine Kritik der politischen und sozialen Verhältnisse im Amerika der 60er-Jahre machen wollte, könnte Oliver Stones neuer Film "Snowden" politischer kaum sein. Der spannende Streifen über den derzeit wohl bekanntesten US-Whistleblower wurde in San Sebastian außer Konkurrenz gezeigt. Der US-Start von "Snowden" wurde nicht euphorisch gefeiert. Doch der 70-jährige Hollywood-Regisseur ist überzeugt, dass der Film in Europa besser anlaufen wird. "Die Kritiken in Deutschland waren sehr gut, weil man dort weiß, was die Stasi war", erklärte Stone, begleitet von den beiden Hauptdarstellern Joseph Gordon-Levitt und Shailene Woodley.

Stone suchte sogar nach einer Erklärung für die Kritik vieler US-Medien: "Die USA müssen zunächst begreifen, dass sie sich auf dem Weg der Selbstzerstörung befinden", bevor sie dann vielleicht wieder eine optimistischere Zukunft anstreben könnten, meinte der "Platoon"-Regisseur - und wollte auch nicht seine pessimistische Prognose mit Blick auf die US-Wahlen im Herbst zurückhalten: Es sei im Grunde egal, ob Hillary Clinton oder Donald Trump die Präsidentenwahl im November gewinnen, "wir befinden uns auf jeden Fall auf einer sehr holprigen Straße", betonte der dreifache Oscar-Preisträger. Heute, Freitag, startet "Snowden" in den österreichischen Kinos.

(S E R V I C E - www.sansebastianfestival.com)

Quelle: APA

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