Kunst

Landestheater Vorarlberg sucht Haderlaps Paradies der Liebe

Der Zauber der Liebe und des ersten Augenblicks - und die Suche danach, nachdem einiges an Zeit vergangen ist: Das ist der Inhalt von "Paradies oder nach Eden", einer musikdramatischen Reprise, mit deren Uraufführung das Landestheater Vorarlberg am Donnerstagabend in die neue Spielsaison gestartet ist. Das Publikum dankte mit langem Applaus, legte dabei aber seine letzte Zurückhaltung nicht ab.

Intendant Alexander Kubelka begrüßte die Gäste im voll besetzten Theater am Kornmarkt "im Paradies - im Theater". Gleichzeitig hieß er sie "im Leben" willkommen und fragte in seinen Einführungsworten: "Wagen sie - der Mann und die Frau - den Kampf um dieses eine Wunder des ersten Augenblicks?"

Sabina Martin als Frau und Christian Sist als Mann (Namen haben sie keine) wollen den Kampf sehr wohl aufnehmen. Gleich in der ersten Szene - er sitzt Zeitung lesend auf einem Stuhl, sie schweigend daneben - wird klar, dass das ursprüngliche Liebesglück längst verflogen ist. Von einem Spielleiter (Erwin Belakowitsch) in das sprichwörtliche Paradies gehievt, nähert sich das Paar dem so schmerzhaft vermissten Ideal immer wieder an. Erinnerungen an glückliche kleine und große Momente stehen neben Bekenntnissen wie "Ich liebte einen anderen" oder "Ich habe mich nach anderen Frauen gesehnt". Obwohl das Paar sich im Außen im Paradies aufhält, kann es den paradiesischen Zustand im Inneren nicht finden. Ein neuer Aufbruch gelingt nicht.

Als Ausgangspunkt für die Auftragsarbeit des Landestheaters diente die linke Innentafel von Hieronymus Boschs Triptychon "Der Garten der Lüste". Das von Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap geschriebene Libretto lässt genügend Raum für Interpretation und kommt doch stets auf den Punkt. Viele kurze Sätze verraten mehr als man ihnen beim ersten Hinhören zutraut. Die Musik der slowenischen Komponistin Nana Forte spiegelt jederzeit das inhaltliche Geschehen auf der Bühne wider. Nervosität, Unruhe, Dramatik, Hoffnung, Enttäuschung, Resignation.

Unter der Regie von Igor Pison liefern Martin und Sist eine schauspielerisch wie gesanglich eindrückliche Vorstellung mit starker Präsenz ab. Spielleiter Belakowitsch und sein Assistent Mönchsfisch (Jeff Martin) sowie die Paradies-Schlange Lona Culmer-Schellbach haben in der Inszenierung vielleicht zu wenig Gewicht, gehen aber ebenfalls in ihren Rollen auf. Starken Einfluss und große Wirkung entfaltete hingegen der Chor (Mitglieder des Bregenzer Festspielchors), der von Flüstern bis Sprechgesang enormes Repertoire bewies. Das ausgezeichnete Orchester wurde von Benjamin Lack geleitet.

Das Bühnenbild von Petra Veber mit dem Paradies-Baum im Mittelpunkt ist schlicht gehalten, die Kostüme von Sanja Grcic schillern stimmig modern. Pflanzen als Versinnbildlichung des Paradieses schweben zwar vom Himmel (der Decke) herab, schaffen es aber nicht bis auf den Boden und werden so nicht greifbar. Irgendwann, spät im Stück, stößt der Mann den Baum auch einfach um, und der von der Schlange in der Baumkrone deponierte Apfel rollt davon.

Haderlap entlässt das Publikum aber nicht ohne einen Funken Zuversicht. Im Epilog präsentiert der Assistent eine "neue Geschichte" und greift dabei auf Platons Kugelmenschen zurück. Männer und Frauen waren ein Wesen, das von Zeus zerschnitten wurde. Das Trachten nach der ursprünglichen Beschaffenheit heiße Liebe. "Gut so! Das machen wir das nächste Mal", schließt der Spielleiter.

INFO: "Paradies oder nach Eden", Musikdramatische Reprise, Text: Maja Haderlap, Musik: Nana Forte. Regie: Igor Pison. Weitere Vorstellungen 28 September, 9., 20. und 28 Oktober sowie 5. und 11. November jeweils 19:30 Uhr. Dauer ca. eine Stunde ohne Pause. Vorarlberger Landestheater, Bregenz, www.landestheater.org

Quelle: APA

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