Kunst

Lída Baarová: "Ich habe es nur ertragen"

Zum Nachlesen: 1997 erschien in den "Salzburger Nachrichten" ein Interview, das SN-"Wochenende"-Chef Norbert Lublasser mit der Schauspielerin Lída Baarová über ihre Begegnungen mit Hitler und Goebbels geführt hat. Der erste Teil erschien in den SN vom 23. August 1997.

Lída Baarová: "Ich habe es nur ertragen" SN/archiv
1997 interviewte Norbert Lublasser Lída Baarová in ihrer Salzburger Wohnung.1997 interviewte Norbert Lublasser Lída Baarová in ihrer Salzburger Wohnung.

"Salzburger Nachrichten" vom 23. 8. 1997

Seit Montag dieser Woche klingelt in der noblen Fünfzimmerwohnung in Salzburg-Itzling ohne Unterlaß das Telefon. Journalisten aus ganz Europa wollen in diesen Tagen mit Lída Baarová sprechen. Aufgeschreckt von einem Artikel in der deutschen Boulevardzeitung "Bild": "Goebbels' Geliebte lebt verarmt in Salzburg", titelte das Blatt. Krank und einsam sei sie, heißt es in dem Bericht.

Die heute 83jährige Lída Baarová, geborene Ludmila Babkova, Witwe nach dem bekannten Salzburger Gynäkologen Kurt Lundwall, ist mitnichten verarmt: Sie hat eine Fünfzimmerwohnung in bester Lage und eine "ordentliche Pension". "Mir geht's meinem Alter entsprechend gut", sagt sie über ihre Gesundheit.

"Goebbels' Geliebte, ich kann das nicht mehr hören." Zeit ihres Lebens verfolge sie diese Bezeichnung. Lída Baarová: "Da gehören immer zwei dazu. Goebbels war in mich verliebt, ich habe es nur ertragen." Goebbels habe immer viele Geliebte gehabt (ein Vertrauter seiner Frau Magda soll 39 namentlich aufgelistet haben, Anm.). Warum sie als seine Favoritin galt und immer noch gilt, könne sie sich nicht erklären, so Lída Baarová.

Dann erzählt sie aus ihrem Leben. Es ist eine Geschichte von Macht, Liebe, Eifersucht, Intrige, von Geheimpolizisten, waghalsigen Fluchten und ungemütlichen Kerkern.

Die 1914 in Prag geborene Schauspielerin kommt 1934, von der Ufa angeworben, nach Berlin. Sehr bald wird Hitler auf sie aufmerksam. "Wir haben ,Barcarole' gedreht. Das ganze Studio wurde unter Wasser gesetzt, weil die Geschichte in Venedig spielte. Plötzlich ist Hitler mit Gefolge, auch Goebbels war dabei, gekommen. Er hat mich lange angeschaut, und ich hab' mir gedacht, warum schaut er mich so an?"

Bereits für den nächsten Tag ist sie in der Reichskanzlei zum Tee eingeladen. Hitler eröffnet ihr, daß sie einer Frau ähnlich sehe, die in seinem Leben eine große Rolle gespielt habe und deren Bild auf seinem Nachtisch stehe.

"Es war Geli, seine erste große Liebe, die sich erschossen hat. Er hat, glaube ich, aber sehr schnell erkannt, daß ich nicht an die Stelle seiner toten Geliebten treten wollte", erzählt Lída Baarová. Sie lehnte Hitlers Angebot ab, Deutsche zu werden. Eine neuerliche Einladung zum Tee schlug sie aber nicht aus.

Was die Eifersucht ihres damaligen Lebensgefährten, des Ufa-Stars Gustav Fröhlich, erweckte. "Er hat mir verboten, daß ich hingehe. Also hab' ich eine Ausrede gesucht und Hitlers Adjutanten gesagt, ich hätte eine Französisch-Stunde. ,Ich soll sie absagen', meinte der." Sie sei dann doch in die Reichskanzlei gegangen. Allerdings unter dem Versprechen, Gustav Fröhlich jede Viertelstunde anzurufen. Von einem dieser Telefonate kehrte sie mit verweinten Augen an Hitlers Teetisch zurück.

Daran erinnerte sich der Reichskanzler, als er einige Wochen später bei einem Empfang die Schauspielerin und ihren Lebensgefährten traf: "Sie quälen diese Frau", warf er Fröhlich vor.

Sie habe, sagt die ehemalige Schauspielerin, das Regime nicht akzeptiert. "Das konnte ich aber ihnen nicht sagen." Hitler sei sehr fürsorgend gewesen. Bei einem Empfang sei ihr nicht wohl gewesen. "Kommen Sie, wir gehen eine Suppe essen", habe er gesagt. Und dann seien sie und der Reichskanzler allein in einem Nebenzimmer gesessen, während im Saal der Empfang ablief.

Empfänge gab es viele in dieser Zeit. Bei einem solchen, so glaubt sich Lída Baarová zu erinnern, habe sie Goebbels kennengelernt. Dessen Liebeswerben habe aber erst später massiv eingesetzt, indirekt ausgelöst von Hitler: Der habe bei einem Anlaß bedauert, keine Rosen zur Vermählung von Lída Baarová und Gustav Fröhlich geschickt zu haben. "Wir sind gar nicht verheiratet", habe sie erwidert. Was Goebbels ein langezogenes "Ahaaa" entlockt haben soll.

Von diesem Augenblick an seien ständig Einladungen vom Reichpropagandaminister gekommen: In dessen Villa am Wannsee ("Da war auch der Gustav Fröhlich dabei und die Frau vom Goebbels und seine Kinder") ebenso wie in eine Blockhütte ("Er wollte mit mir einen Kaffee trinken, sagte er"). "Ich war nett zu ihm, er war charmant und konnte sich gut unterhalten." Seine Geliebte sei sie allerdings nicht gewesen. "Ich spürte, daß er wahnsinnig gerne mit mir allein war. Da war aber der Fröhlich im Weg."

Nicht einmal Blumen

gab's von Goebbels

In einem Buch über die Ufa schreibt Autor Klaus Kreimeier allerdings von einer heftigen Liebesaffäre, die zwei Jahre gedauert habe und bis zum politischen Skandal eskaliert sei.

"Alles Blödsinn. Ich war in Gustav Fröhlich verliebt. Und Gobbels hatte eine Frau und fünf süße Kinder."

Zwischen 1934 und 1938, ihrer Zeit in Berlin, drehte Lída Baarová zahlreiche Ufa-Filme, darunter "Leutnant Bobby", "Der Teufelskerl" oder "Die Stunde der Versuchung". "Goebbels hat mir nie zu einer Rolle verholfen, ich hatte schon vorher einen Vertrag über vier Filme pro Jahr", so die ehemalige Schauspielerin. In dieser Zeit habe sie sehr gut verdient. "Ich kaufte mir eine Villa in Prag." Das Geld habe sie zusammengerollt, in die Metallverpackung für Rasierseife gesteckt und im Tank von Fröhlichs Auto unbemerkt aus Deutschland hinausgebracht.

In dem "Bild"-Artikel heißt es, sie habe während der vier Jahre in Berlin in Goebbels' Villa gewohnt, sei von ihm mit Pelzen und Schmuck überhäuft worden. "Gewohnt hab' ich beim Fröhlich, von dem hatte ich auch den Schmuck. Meine Pelze hab' ich mir selbst gekauft", kontert Lida Baarova. Nicht einmal Blumen will sie vom mächtigen Reichspropagandaminister bekommen haben.

Lesen Sie in Teil zwei: Eklat im Hause Goebbels, ein Machtwort Hitlers, eine Flucht bei Nacht und Nebel, im Pankrac-Gefängnis von Prag und ein neues Leben.

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