Kunst

"Les contes d'Hoffmann": Umjubelte Premiere

"Les contes d’ Hoffmann", Jacques Offenbachs Oper, wurde im Theater an der Wien vom Flop zu einem ansehnlichen Erfolg. Das hingebungsvolle Ensemble wurde bei der Premiere bejubelt.

"Les contes d'Hoffmann": Umjubelte Premiere SN/Theater an der Wien/Kmetitsch
Jacques Offenbachs Oper „Les contes d’ Hoffmann“ im Theater an der Wien.


Hoffmanns Muse zieht alsbald ihre roten High Heels aus und bequeme Schuhe an, sie/er weiß, es wird mühsam. Dabei ist dieser Hoffmann, der im Theater an der Wien nun Einzug hielt, um seine Frauengeschichten auszubreiten, weniger ein anstrengender Exzentriker, versoffener Dichter, triebgesteuerter Neurotiker, sondern ein sympathisches Bürschlein, das in seine Abenteuer stolpert und unter seinen Traumfrauen leidet.

Diese Figur könnte mehr Profil vertragen, da hat aber dem Regisseur Roland Geyer wohl die Zeit gefehlt. Das Regiedebüt des Intendanten an "seinem" Theater an der Wien war mit Spannung erwartet worden, denn immerhin hatte er für "Les Contes d’ Hoffmann" von Jacques Offenbach einen Oscar-Preisträger vor die Tür gesetzt. US-Filmregisseur William Friedkin hatte sich mit seiner Produktion, die im März in Wien herauskam, als Fehlbesetzung erwiesen. Geyer übernahm selbst und verzichtete auf eine Gage. Trotz einiger Abstriche ist die Produktion - nun in der stringent umgesetzen Kaye-Keck-Fassung - gut gelungen. Das hingebungsvolle Ensemble wurde bei der Premiere am Mittwoch bejubelt.

Allen voran Marlis Petersen, die sich in vier so unterschiedlichen Frauenrollen als glänzende, fulminante Sängerdarstellerin bewährte. Auch die beiden anderen Neueinsteiger sind auf der Höhe der Aufgaben. Arturo Chacón-Cruz als geschmeidiger Hoffmann und John Releya mit markantem Bass in allen Bösewichtrollen als Hoffmanns personifizierter Verfolgungswahn überzeugten. Roxana Constantinescu als Muse ist von der Urbesetzung übrig, sie sang sich in die Herzen des Publikums. Oliver Ringelhahn (Spalanzani), Erik Arman in mehreren Rollen, Julien Behr und Ann-Beth Solvang als Antonias Mutter vervollständigten den tadellosen Gesamteindruck. Dirigent Riccardo Frizza wirkte diesmal mit den Wiener Symphonikern merkwürdig schaumgebremst und distanziert, ein eher belangloser Beitrag.

Herbert Murauer entwarf anschauliche Räume mit Projektionen von Arcimboldo über Valie Export bis zur Verdoppelung des Deckengemäldes. Der Prolog wirkte szenisch statisch, auch Luthers Weinstube, und erst im Olympia-Akt nahm der Abend Fahrt auf.

Eine tolle Sparidee Geyers, seinen Fundus zu plündern und den Arnold Schönberg Chor mit Kostümen aus zahllosen Produktionen als Wachsfigurenkabinett auszustatten. In diesem erwacht Marlis Petersen als überdrehter Heidi-Klum-Klon Olympia zum Leben, eine köstliche Model-Persiflage bis hin zu den Koloraturen. Ergreifend gelang ihr die liebevolle Antonia, deren Drang zum Gesang sich tödlich auswirkt. Und als Edelnutte Giulietta wurde Petersen nicht nur für Hoffmann zur supersexy Männerfantasie. Eine Idealbesetzung.

Quelle: (SN).

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