Kunst

Lesewettbewerb beim Bachmann-Preis eröffnet

Der erste Wettbewerbstag bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur im Klagenfurter ORF-Theater stand im Zeichen zersplitterter Identitäten. Gleich drei Autoren beschäftigten das Publikum mit literarischen Vexierspielen.

Lesewettbewerb beim Bachmann-Preis eröffnet SN/apa (eggenberger)
Leise Kritik am Kärntner Auto Hugo Ramnek.

Mosters "Der Hund von Saloniki", der eine Rückblende in die Jugend des Protagonisten und dessen schmerzhafte Begegnung mit einem Hund thematisiert, war für Juror Hubert Winkels eine "Meditation über das Erinnern und Vergessen". Die gewählte Sprache des Erzählers wurde allgemein gelobt, es gab aber auch Kritik. So bezeichnete Paul Jandl die Geschichte als "motivische Auslegeware".

Eher weniger erfreut waren die sieben Jurymitglieder von Hugo Ramneks "Kettenkarussell". Ramnek beschreibt ein Wiesenmarkt-Wochenende in Bleiburg und die Verwirrungen und Begierden eines pubertierenden Jugendlichen, der ein Auge auf ein Mädchen geworfen hat. Diese gehört allerdings zur slowenischen Volksgruppe. Ohne sie in den Mittelpunkt zu stellen, beschreibt Ramnek die Trennlinien zwischen den Volksgruppen mit. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen konstatierte: "Dieser Text kommt daher wie eine Marching Brass Band." Hildegard Keller betonte, der Text habe einen großen Atem.

"Bettlägerige Geheimnisse" einer - oder zweier - Figuren von Mirjam Richner wurde eher kritisch aufgenommen. "Die Figur ist zumindest am Rande des Wahnsinns", befand Jandl. Corinna Caduff kritisierte, es sei ein wenig "Hanni und Nanni Style" mit zu beliebigen Sprachbildern. Meike Feßmann wunderte sich, dass man den Text realistisch lesen könne, denn er sei "selbstverständlich surreal". Strigl und Jandl waren wenig angetan.

Besser schnitt der Romanauszug "Der Einsteiger" von Andreas Stichmann ab. Die traumorientierte "Apotheose einer bürgerlichen Kleinfamilie" über einen jungen Mann am Rande der Gesellschaft, der sich in eine bürgerliche Existenz hineinträumt, erhielt viel Lob der Jury, ungeteilt waren die Meinungen aber nicht. Heftige Debatten löste zum Abschluss das experimentell angelegte "Die Taten und Laute des Tages" von Sabine Hassinger aus.

Ein Favorit für die Preisverleihung am Sonntag war vorerst nicht in Sicht. Das Wettlesen wird am Freitag fortgesetzt.

Quelle: APA

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