Kunst

"Ma Ma": Die heilige Penélope

Im Film "Ma Ma" arbeitet Penélope Cruz an ihrer Selbstüberhöhung.

Ein Engel im Heim, eine Rakete im Bett, zärtlich, langmütig und aufopferungsfähig: In "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" spielt die berückend schöne Penélope Cruz eine madonnenhafte Figur, die wie die Karikatur der idealen Frau und Mutter wirkt: Magda (Cruz) ist leidenschaftliche Lehrerin, aber im krisengebeutelten Spanien wird sie nach den Sommerferien keinen Job mehr haben. Ihr Mann hat sie soeben wegen einer Blonderen verlassen. Einzig Magdas kleiner Sohn macht ihr Freude, wenn sie ihm beim Fußballspielen zusieht. Und dann erfährt Magda auch noch von ihrem Gynäkologen, dass der Knoten in ihrer linken Brust Krebs ist, und sie die Brust verlieren wird. Doch anstatt Beistand von Familie oder Freundinnen einzufordern, geht sie ins Stadion und schaut ihrem Sohn beim Kicken zu, bis sich ein Mann zu ihr setzt, der sich als Talentescout von Real Madrid vorstellt und ihrem Sohn eine große Karriere prophezeit. Als er am Telefon die entsetzliche Nachricht bekommt, seine Frau und seine Tochter seien verunglückt, stützt Magda, ihrem Gegenüber zugewandt wie immer, ihn und bringt ihn ins Spital.

Was sie will, ist nur, die Menschen um sie herum glücklich zu machen. Das einzig Selbstbezogene an Magda ist, dass sie körperliche Sinnlichkeit begehrt, doch auch das ist am Ende lediglich, um Leben zur Welt zu bringen: Das Frauenbild, das "Ma Ma" vermittelt, ist umsorgend, aufopfernd und nährend, und vorgetragen in einem haarsträubend heiligen Ernst. Regisseur Julio Médem weiß sehr genau, wie er reizvoll inszeniert, und Cruz und ihre attraktiven männlichen Gegenüber sind schön anzusehen, und damit ist "Ma Ma" ein fast perverses Schauvergnügen, das suggeriert, Médem halte Frauen ausschließlich zum Kinderkriegen für nützlich. Dass er seinen Film "allen Frauen" gewidmet hat, ist wohl unbeabsichtigt ein Hohn, aber wenigstens Cruz ist keinesfalls zu bemitleiden: Nicht nur hat sie den Film selbst produziert, sie lässt sich hier als ultimativ sinnliches Weib feiern, was auch die Abwesenheit jeglicher anderer Frauen im Film rechtfertigt: Neben Sankt Penélope können alle anderen eh nur blass aussehen.

Kino: Ma Ma. Melodram, Spanien, Frankreich 2015. Regie: Julio Médem. Mit Penélope Cruz, Luis Tosar, Teo Planell. Ö-Start: 8. Juli.

Quelle: SN

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