Kunst

"Mahnerin, keine Ermahnerin": Trauer um Historikerin Hamann

Mit der Brigitte Hamann ist eine "Mahnerin, wenngleich keine Ermahnerin" von uns gegangen, zeigte sich Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) heute, Mittwoch betroffen vom gestrigen Tod der Historikerin im Alter von 76 Jahren. Hamann habe "unsere Sichtweise auf die Stadt korrigiert, indem sie das Blendwerk glorifizierter Epochen beseitigte".

"Mahnerin, keine Ermahnerin": Trauer um Historikerin Hamann SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Die Politik hat nur lobende Worte für die verstorbene Brigitte Hamann.

Mit ihrem publizistischen Werk habe sie offenbart, "dass Tiefpunkte der Geschichte selten Schicksal, sondern meist Resultat menschlichen Handelns sind", so Mailath-Pokorny. Oft brauche es Menschen wie Hamann, "die sich von andernorts kommend in Wien verlieben, sich die Stadt zu eigen machen und den Alteingesessenen die Vielfalt ihrer Heimat vor Augen führen."

ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter würdigte Hamann als "nicht immer Bequeme. Sie hat den Finger auf offene Wunden gelegt." Damit habe sie aber ein wichtiges Bewusstsein geschaffen, "das gerade in Österreich mit seiner bewegten und teils dunklen Geschichte unverzichtbar ist". Wien verliere "eine fantastische Vermittlerin der Österreichischen Geschichte und Kultur", trauerte auch der Wissenschaftssprecher der Wiener ÖVP, Fritz Aichinger via Aussendung. "Brigitte Hamann war eine Historikerin, die Geschichtsforschung populär und mit ihrer schriftstellerischen Qualität und ihrer Erzählkunst erlebbar machte."

Mit ihren Werken, die weite Verbreitung auch unter Nicht-Fachleuten fanden, prägte Hamann das Bild der Habsburger, schrieb Bücher über Wolfgang Amadeus Mozart und Adolf Hitler. Geboren wurde die Volksbildnerin in Sachen Geschichte als Brigitte Deitert am 26. Juli 1940 in Essen. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Münster und an der Universität Wien. 1963 legte sie ein Examen als Realschullehrerin ab und versuchte sich anschließend als Journalistin. 1965 heiratete sie den 1994 verstorbenen Wiener Historiker und Universitätsprofessor Günther Hamann, bei dem sie auch als Assistentin arbeitete.

Im Alter von fast 40 Jahren schloss sie ihre Doktorarbeit über das Leben von Kronprinz Rudolf ab. Im gleichen Jahr, 1978, arbeitete sie ihre Dissertation zu einem Buch um: "Rudolf, Kronprinz und Rebell" bescherte ihr sogleich den Durchbruch als Autorin. Fast 30 Jahre später diente das Buch als Grundlage für Robert Dornhelms 2006 erschienenen Fernsehfilm-Zweiteiler "Kronprinz Rudolf", dem die Historikerin als Beraterin zur Seite stand.

1981 folgte ihre bis heute wohl bekannteste Biografie, "Elisabeth, Kaiserin wider Willen", die weltweit Anklang fand und in viele Sprachen übersetzt wurde. Neben weiteren Werken über die Habsburger, Winifred Wagner und Bertha von Suttner wandte sich Hamann der Zeitgeschichte und heiklen, gemeinsamen deutsch-österreichischen Themen zu. "Hitlers Wien, Lehrjahre eines Diktators" aus dem Jahr 1996 wurde zu einen Standardwerk. Anlässlich des Mozart-Jahres 2006 veröffentlichte Hamann den umfangreichen Band "Mozart - Sein Leben und seine Zeit". Im Jahr 2008 folgte "Hitlers Edeljude, Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch", 2009 erschien "Österreich. Ein historisches Porträt".

(APA)

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