Kunst

Anna Netrebko, Zentralgestirn des Festspielsommers

Die Diva wurde im Festspielhaus als "Manon Lescaut" gefeiert, und mit ihr der Heldentenor Yusif Eyvazov. Netrebkos Gatte machte Eindruck.

Es gibt ja viele, die nehmen die Salzburger Festspiele erst wahr, wenn Anna Netrebko an der Salzach auftaucht.

Nun, sie ist da und wurde am Montag im Großen Festspielhaus als Titelheldin in Puccinis "Manon Lescaut" gefeiert, auch wenn es nur eine konzertante Aufführung (von insgesamt drei) war.

Es war zu spüren, dass ihr eine Inszenierung - zuletzt in Wien an der Staatsoper - und der dazugehörige Aktionsradius in darstellerischer Hinsicht fehlten. Dennoch verdiente sie den Beifall, in jeder Hinsicht ist ihr Sopran mit seiner Fülle an Farben und dramatischen Kraft eine eigene Klasse.

Rein äußerlich allerdings hatte ihr maßgeschneidertes nachtblaues Kleid, das mit einer Unzahl von Kristallen verziert war, gar nichts mit dem Inhalt der dramatischen Geschichte zu tun. Ja, es stört zu Anfang und Ende der Oper geradezu. Das Divendasein kollidierte da stark mit der Darstellung entlang des Textes.

Es geht ja bei Puccini und dem Roman von Abbé Prévost um eine blutjunge arme Unschuld vom Lande, die sich zwar auf den Weg ins Kloster in den mittellosen Studenten Des Grieux verliebt, aber in die Klauen des reichen Lustgreises Geronte fällt, der sie immerhin verwöhnt.

Das Leben im Luxus fühlt sich gut an, ist aber auch langweilig, das Wiedersehen mit der großen Spontanliebe Des Grieux führt zur widerwilligen Aufgabe des Reichtums, aber auch ins böse Ende. Geronte hat Einfluss genug, um Manon ins Verderben zu stürzen, sie wird nach Amerika verbannt, eine Befreiung mithilfe ihres Bruders scheitert, an der Seite von Des Grieux, der mit in die Verbannung ging, stirbt Manon in der trockenen Ebene des amerikanischen Südens.

Privates Glück auf der Bühne

Giacomo Puccini heizt in seiner Musik die hochfliegenden Gefühlsbewegungen mächtig an, der herzhaft befeuernde Dirigent Marco Armiliato, das große Münchner Rundfunkorchester und der Wiener Staatsopernchor boten eine allzu pralle Klangkulisse für die Protagonisten, es wurde ob der frontalen Beschallung laut im Festspielhaus.

Anna Netrebko ließ das unbeeindruckt, ihre Stimme behält auch in den Orchesterwogen die tragende Intensität. 2014 hatte sie in Rom ihr Rollendebüt als Puccinis Manon unter Riccardo Muti.

Des Grieux war damals der weitgehend unbekannte Yusif Eyvazov, und wie das Leben so spielt, ist er heute der Gemahl von Anna Netrebko - und als Des Grieux Debütant in Salzburg.

Das beflügelt das Interesse der "Seitenblicker" aller Kaliber, immerhin lebt das Ehepaar seine Lebensfreude recht offenherzig aus. Schafft er es? Ja, er schafft es, Yusif Eyvazov zeigte mit Hochdruck, dass er der Pavarotti seiner Generation werden will.

Piano scheint nicht auf der Ausdrucksskala zu liegen, das kann aber noch werden. Und Puccini bietet eine Unzahl von effektvollen hohen Tenortönen zwischen Liebesgeständnissen, Seufzern und Verzweiflung.

Die Besetzungsliste war ansprechend bestückt, Carlos Chausson als Geronte, Armando Pina als Manons Bruder Lescaut, Benjamin Bernheim (Edmondo), Erik Anstine (Oste/Sergente) und andere waren mehr als nur Beiwerk für den Divenabend. Während Anna Netrebko freudestrahlend die Ovationen entgegennahm, sank Yusif Eyvazov feuchten Auges vor dem Jubelsturm in die Knie. Die Festspiele haben einen Superhit im Programm, what else.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:14 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/manon-lescaut-bei-den-salzburger-festspielen-premierenkritik-1200037

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